Mittwoch, 1. November 2017

Katholiken-Bevorzugung bei Pro Sieben

Pro Sieben bevorzugt eindeutig Katholiken als Zuschauer. Gestern war Reformationstag. Luther hat vor 500 Jahren die Welt verändert und den Katholiken Rechte abgesprochen, was zur Gründung der evangelischen Kirche führte. Normalerweise gedenken die katholisch dominierten Bundesländer nicht dieses Tages. Eher die östlichen Bundesländer haben dann frei. Weil nach 500 Jahren auch die Bayern,
Baden-Württemberger und andere Erzkatholische gottesfürchtige Mal frei haben wollten, und weil 500 auch so eine schöne Zahl ist und irgendwann muß man ja auch Mal sagen, daß der Luther doch ganz gut war, haben diese Bundesländer dieses Jahr einen weiteren Feiertag (zu den eh schon mehr vorhandenen) per Dekret geschenkt bekommen.

Normalerweise merkt man, daß Feiertag ist, daran, daß die TV-Sender massig (alte) Spielfilme zeigen. Gestern: Fehlanzeige. Mehr oder weniger Alltagsprogramm. Bei Pro 7 gibt es gerade einmal drei Spielfilme im Abendprogramm.

Heute: Allerheiligen. Feiertag in Bayern und bei den anderen Katholiken. Pro Sieben bringt den ganzen Tag 12 Spielfilme. Wenn also evangelische Bundesländer (und ausnahmsweise die katholischen auch) frei haben, ändert das nichts am Programm. Haben aber die Katholiken frei, dann wird auf Spaß umgeschaltet.

Objektiv ist die Betrachtung aber zugegeben auch nicht: Zu Pro Sieben gehört auch Sat 1 und die haben es umgekehrt gemach (10:0). Aber auffällig ist es trotzdem.

Mittwoch, 4. Oktober 2017

Die Deutsche Post setzt prioritäten

Die Warteschlange in der Postfiliale ist teilweise schon unerträglich lang. In letzter Zeit wird sie noch länger. Jeder Kunde, der nicht genau weiß, was er will und eigentlich nur einen Brief frankiert und loswerden will, wird in ein Verkaufsgespräch verwickelt. Natürlich hat man dabei nur die Absicht, dem Kunden das optimale Produkt anzudrehen. Das kostet mehr und bringt so gut wie nichts. Außer, das die Warteschlange länger wird, weil kein Kunde kapiert, was ihm da aufgequatscht wird. Weil die Kunden, die eine einzelne Marke am Schalter holen sowieso eher etwas planlos sind (sonst würden sie die Marke am Automaten holen oder hätten ein paar auf Vorrat), denken sie, ihnen wird was sinnvolles angeboten: Zusatzleistung PRIO.

Das kostet 90 Cent extra und bringt rein gar nichts.

Angeblich wird der Brief priorisiert transportiert. Nachprüfen kann das keiner und eigentlich ist es doch egal. Ob ein Brief am nächsten oder übernächsten Tag ankommt, ist egal. Sollte es anders sein, muß man ein entsprechendes Produkt kaufen, was ungleich teurer ist. Dabei erreichen schon heute 95 Prozent aller Briefe den Empfänger am nächsten Werktag. Nach Aussage der Post und so muß es auch sein und der Kunde darf sich darauf verlassen. Auch wenn diese angezweifelt wird. Auch bei Prio kocht die Post nur mit Wasser. Wenn sie die Sendung abgeben, nachdem der letzte Abhol-Fahrer die Filiale aufsuchte, druckt sie dieses peinliche Eingeständnis jetzt auch auf die Belege: "Versandschlusszeit überschritten. Der Transport der Sendung beginnt am nächsten Werktag".

Eine rechtsverbindliche Zustellung sichert der Service nicht zu! Hierfür ist einzig ein Einschreiben der richtige Weg. Die Sendung ist über die Sendungsnummer zwar (kompliziert) verfolgbar, aber genau der letzte Schritt wird gar nicht dokumentiert. Die Sendung wird das letzte Mal in der Großbriefsortieranlagen des Ziel-Briefzentrums gescannt. Anschließend wird sie eventuell zugestellt, geht verloren, landet beim Nachbarn oder wird weggeschmissen. Keiner weiß es. Abends werden lediglich die Briefe wieder gescannt, die nicht zugestellt wurden. Der Rest wird als zugestellt angesehen.

Die Post bietet keine Haftung bei Verlust - wie auch, denn es existiert keine Information darüber, wo die Sendung geblieben ist.

Der Kunde soll also für etwas bezahlen, was ihm eh schon zusteht (Zustellung am nächsten Werktag) und etwas, was ihm nichts bringt (Teil-Tracking). Und weil das ein gutes Geschäftsmodell ist - schließlich wird ein Brief auf seinem Weg sowieso mehrmals vollautomatisch gescannt, verkaufen die Postillione das Produkt wie sauer Bier am Schalter. Und alle anderen Kunden müssen warten, bis die Verkäufer ihren Spruch aufgesagt haben, die Kunden überlegten, leicht bedrängt wurden ("Sendung kann verfolgt werden" - hört sich toll an) und dann zögerlich zustimmen. Heute wurde ich dann auch noch Zeuge, wie der Verkaufsmitarbeiter dem Kunden in radebrecherischen Denglisch einreden wollte, daß sei toll für die Steuererklärung, weil er dann belegen kann, eine Sendung verschickt zu haben. Das ist natürlich blödsinn, denn dafür reicht die normale Quittung aus.


Samstag, 10. September 2016

Fakeprofile - oder: Tinder ohne 50 Facebook-Freunde

Letztens hat mir einer beim Kneipenbesuch von seinem Tindergarten erzählt. Da ich selbst von den Singlebörsen eher enttäuscht bin, wurde ich hellhörig. Angeblich sei es ganz einfach, da neue Kontakte zu finden und auch IRL zu treffen. Geschätzte 800 potentielle weibliche Fotos gab es allein für die derzeitige Mini-Metropolen-Region. Einfach wisch und weg, um zwischen hop und flop zu entscheiden.
Also auch mal testen: Nach ein paar Minuten war klar: das hatte ich schon. Und dann endete der Versuch, weil man sich nur mit einem Facebook.Account anmelden kann. Und den habe ich nicht - zumindest keinen mit echten Daten über mich. Also einen neuen Account anlegen. Facebook und Twitter & Co. wollen das natürlich nicht und nerven einen mit Bestätigungscodes, die sie am liebsten per SMS versenden wollen. Klar, ich gebe denen einfach meine Handynummer. Dummerweise gehen die meisten virtuellen SMS-Dienste nicht mehr. Die Anbieter haben die Nummern gesperrt. Aber mit ein wenig Geduld und zwei weiteren Fake-Email-Accounts, die man bei Gmail und Yahoo sehr einfach einrichten kann, klappt es dann irgendwann, sich einen Code per Email zusenden zu lassen. Als nächstes will Tinder aber dann auch noch eine SMS versenden. Und die sind hartnäckig und akzeptieren keine Email. Aber selbst, wenn man dann eine echte Handynummer angibt, klappt es nicht und man erfährt nur, daß es einen Fehler beim generieren des Codes gab. Eine Websuche fördert dann zu Tage, daß man bei Facebook 50 Freunde haben muß.
Kein Problem. Ich kapiere ja Facebook eh nicht. Was soll das? Ich klicke wild rum und markiere irgendeinen dummen Quatsch mit einem Like und Teile das dann ggf. noch öffentlich, so daß der Kram in meinem Profil auftaucht. So kann man schnell ein aktives Profil vorgaukeln. Einfach bei Facebook nach Freunden suchen und dann wahllos die angezeigten Leute als Freunde hinzufügen ist auch ganz einfach.

Quelle: https://www.facebook.com/

Das macht man bei etwa 50 beliebigen Leuten. Keine Ahnung wer das ist, was die wollen, wie die politisch ticken - ist mir doch egal, ich will ja nur einen Fake-Account. Wenige Minuten später trudeln dann auch die ersten angenommenen Anfragen ein. Jetzt braucht man nur noch auf Bestätigen zu klicken und schon hat man neue Freunde. Anscheinend sind die ausgewählten Pseudo-Freunde alle so geil auf eigene Freunde, daß die wahllos die Anfragen annehmen. Innerhalb von 20 Minuten hatte ich so über 300 eigene Freunde.
Wundert sich da noch jemand, wenn sich alle über die schlechten Umgangsformen bei Twitter, in Foren und bei Facebook beschweren, wenn die Authentifizierung von Angeboten immer auf die gleichen anderen Angeboten basieren und man sich im Grunde im Kreis herum eigenständig als interessante, real existierende Persönlichkeit bestätigen kann? Ich wundere mich nur, wie viele Leute da ihre echten Daten angeben und halbnackte Fotos frei Verfügbar machen, die ich dann auch noch weiter verteilen kann und sogar soll.






Donnerstag, 24. März 2016

Der Verlust von Glaubwürdigkeit, Nutzen und Qualität

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.
Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe;
und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.
Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.
Und Gott sah, daß das Licht gut war.
Da schied Gott das Licht von der Finsternis
und nannte das Licht Google und die Finsternis Nacht.[frei nach 1.Mose 1]

Google ward plain und smart;
und lieferte das, was man suchte
Und Larry Page sprach: Lasset den Mensch uns abhängig machen.
Und der Mensch wurde Abhängig.
Und dem Gott Kommerz gefiel das.

Seit dem sind die Zeiten vorbei, in denen Google einfach das lieferte, was man suchte und auch das, was man gar nicht wußte, daß man es sucht. Inzwischen beherrscht Werbung die Suchergebnisse. Von dezent am Rand sind sie immer mehr in den Vordergrund gerückt. Sei es für bezahlende Anbieter, sei es für Google-Dienste. So sehr, daß man inzwischen teilweise nur noch Werbung sieht.
Aber soll es nicht um das Böse per se gehen.

Mich ärgert Amazon. Schon lange predige ich, dort nicht zu kaufen. Bzw. nur dann, wenn es wirklich einen Vorteil bringt. Bücher gehörten noch nie dazu, denn die bekommt man überall zum gleichen Preis und kostenlos nach Hause. Bisher war aber einer der großen Vorteile von Amazon, daß sich dort viele Hobby-Rezensenten tummeln. Ist eine kritische Masse an Meinungen pro Artikel erreicht, kann man sich ein ganz brauchbares Bild schaffen. Bei Gebrauchsgegenständen ist dies aber zweifelsfrei praktisch. Bei Büchern ist da sicher viel persönlicher Geschmack dabei. Und ob es wirklich sinnvoll ist, die 958. Bewertung abzugeben, schiebe ich eher auf die heutige Profilneurose der inhaltsleeren Selbstdarstellung. Schon immer mußte man dann auch noch diejenigen ausfiltern, die einfach nicht den Unterschied zwischen einer Anbieterbewertung und einer Produktbewertung kapieren und als Produktbewertung schreiben "schnelle Lieferung, gute Verpackung" oder durch mit einem Sternchen versehene Kommentare à la "falsche Lieferung" die Durchschnittswertung herabziehen.

Quelle: http://www.amazon.de

Trotzdem können auch Berichte bei Büchern hilfreich sein. Wenn zum Beispiel die Papierqualität, das Schriftbild, die Bindung oder auch die Übersetzung reflektiert werden. "Schaue bei Amazon, kaufe bei buch.de", lautete mein Motto. Dort liegt die Zahl der Bewertungen leider im Promillebereich, obwohl sie vor ein paar Jahren sogar noch honoriert wurden.
Quelle: http://www.buch.de
Amazon (aber auch Buch.de) sind aber inzwischen dazu übergegangen, einfach alle Bewertungen wild durcheinander zu würfeln. Solange der Titel halbwegs übereinstimmt, wird einfach eine Auswahl an Beiträgen angezeigt.
Eine Suche nach "Moby Dick" fördert die tollsten Resultate hervor:
  • Auf der Artikelseite häufen sich die englischen Kommentare von 1999 und früher. Interessant, wo es sich doch um eine eindeutig deutschsprachige Ausgabe handelt, die vor allem erst 2016 erschien. Damit die Bewertungen noch wertvoller erscheinen und die Glaubwürdigkeit steigt, hat Amazon die Funktion "Verifizierter Verkauf" eingeführt (wieviele Kunden das lateinische Wort überhaupt kennen mögen?). Glücklich der Kunde, der Zeitreisen entdeckt haben muß und die Ausgabe von 2016 schon Mitte 2015 gebraucht kaufen konnte. 
Quelle: http://www.amazon.de
  • Aber auch Buch.de schafft es, Bewertungen für genau die gleiche Ausgabe so zuzuordnen, daß man schon sehr genau lesen muß: Was denn nun? Keine Bewertungen, Bewertung für gebundene Ausgabe, Manga?
Quelle: http://www.buch.de

  • Schwierig wird es bei diesem Angebot: Es gibt ein Taschenbuch und eine gebundene Ausgabe. Eine Bewertung schreibt:
  • Quelle: http://www.amazon.de
    Das ist hilfreich, die Ausgabe will ich nicht. Nur welche mag das sein? Ich vermute mal, die gebundene.
  • "Blick ins Buch" und "Leseprobe" sind eigentlich auch ganz hilfreich. Amazon zeigt zwar regelmäßig andere Exemplare an, als man eigentlich angeklickt hat, weist aber immerhin (etwas unauffällig) darauf hin:
Quelle: http://www.amazon.de

Quelle: http://www.buch.de

All das ist nur eine kleine Auswahl. Aber es zeigt den Weg: hin zur Unbrauchbarkeit. So wie Gott erkannte, daß der Mensch ein Irrtum war, bleibt zu hoffen, daß irgendwann die neuen Götter auch erkennen, daß wir keine Werbung und Qualität wollen. Aber vielleicht liegt es auch am Menschen: er ist nicht perfekt. Wird Zeit, daß wir wieder jemanden aus dem Paradies verbannen - nur wen?

Samstag, 12. März 2016

Ich will die Mauer wieder haben

Es bleibt peinlich, wenn es um die Flüchtlingspolitik geht. Millionen frieren, hungern, sind verängstigt, weil (demokratisch gewählte) Faschisten und nationale Volkshetzer in den deutschen und europäischen Reihen demagogische, bierseelige Stammtisch- und Latrinenparolen verbreiten, um sich zu profilieren und nach 70 Jahren denken, daß ihre bisher kaschierte nationalistische Fremdenfeindlichkeit und Volk-von-Gottes-Gnaden-Denke endlich wieder salonfähig ist.
Wen wundert's, daß die nationalistisch Verbohrten und die völkisch Verblödeten, eigentlich am dringendsten neues Blut in ihren Reihen bräuchten. Aber vielleicht ist es auch ganz gut, wenn Länder, in denen solche Nazi-Politiker und Bürger leben, aussterben: "In den neuen Bundesländern sterben seit 1969 Jahr für Jahr mehr Leute, als geboren werden, in den alten Bundesländern ist das seit 1972 der Fall"[1]. Ich hoffe, das geht hier und im Osten schneller voran - dann ist endlich Lebensraum im Osten für Menschen, die es vielleicht würdigen.
Es ist ja auch nur der übliche Politiker-Irrsinn, daß man lieber einen Grenzzaun in jedem Land hochzieht, der Milliarden kostet, als daß man den Menschen für ein paar Millionen hilft.
Um den aktuellen Anne-Frank-Film frei zu zitieren: "Da, wo sieben Menschen satt werden, werden es auch acht." Oder:Da, wo 81,5 Millionen in Wohlstand leben, sollten es 92,9 Millionen (11,41 Millionen - das sind die gleichen 14 % wie im Hinterhaus) mehr auch können. Was sind angesichts dieser gigantischen Kapazität die real existierenden 1 Millionen Flüchtlinge?

Samstag, 6. Februar 2016

Unbezahlter Mitarbeiter bei Goolge werden

CAPTCHAs sind eine praktische Methode sicherzustellen, daß der Anwender ein Mensch ist und nicht irgendeine Software sich (automatisch) Zugang verschaffen will. Meistens handelt es sich dabei um irgendwelche sinnlosen Zeichen. Google dachte sich, daß man das Potential der zig-Tausend oder Millionen täglicher Abfragen auch sinnvoll nutzen kann. Ein Projekt von Google besteht darin, (alte) Bücher zu scannen und zu veröffentlichen. Damit die Texte durchsucht werden können, ist eine Schrifterkennung (OCR) notwendig. Diese scheitert sehr oft bei alten Vorlagen, weil die Schrifttypen sehr verschieden sind und die Vorlagen oft von schlechter Qualität oder verschmutzt sind. Menschen sind in der Lage, die Wörter trotzdem zu erkennen. In den Captchas wird deshalb ein unbekanntes Wort und ein bekanntest Wort angezeigt.

Der Benutzer gibt beide ein. Ist die Eingabe des bekannten Wortes korrekt, gilt der Benutzer über das Captcha als verifiziert und die Eingabe für das unbekannte Wort wird gespeichert. Das unbekannte Wort wird einer Vielzahl an Benutzern gezeigt. In der Datenbank entsteht so ein Sammlung von Eingaben. Das Wort, welches am häufigsten eingegeben wurde, dürfte mit relativ hoher Sicherheit das richtige sein. So können Tippfehler und andere Fehlerquellen minimiert werden. Durch die hohe Anzahl an Teilnehmern werden so relativ schnell viele Wörter erkannt und können voll automatisch in die Texterkennung übernommen werden.
Das ist eigentlich eine gute und sinnvolle Idee. Natürlich birgt die Nutzung von Google-Diensten wie immer die Gefahr, daß Google weitere Daten sammelt und Profile erstellt. Google kann jedes Captcha einer Anwendung zuordnen, da sich derjenige, der das Captcha anzeigen will, um den Nutzer zu überprüfen, für die Nutzung von reCaptcha bei Google eine Kennung besorgen muß.
Seit 2012 ging Google dazu über, auch gelegentlich Hausnummer anzuzeigen, die deren Streeview-Fahrzeuge aufgenommen haben. Das passierte aber nur gelegentlich und es war problemlos möglich, das jeweilige Captcha zu überspringen und wieder ein herkömmliches zu bekommen. Jetzt geht reCaptcha aber weiter und läßt massiv Straßenschilder bearbeiten. Es werden keine anderen Texte mehr präsentiert. Damit versucht Google seinen eigenen Streetview Dienst zu optimieren. Der Benutzer wird somit zum unbezahlten Mitarbeiter bei Google ohne daß die Allgemeinheit davon wirklich profitiert.

Montag, 21. Dezember 2015

Spendenkampagne nervt

Die Wikimedia Fördergesellschaft sammelt alljährlich Geld ein. Dazu wird bei jedem Besuch auf der Wikipedia-Webseite ein nerviges Banner eingeblendet.
Quelle: https://de.wikipedia.org/
Die Projekte sind werbefrei und finanzieren sich durch Spenden. Wobei ich mich schon frage, warum man immer wieder so viel Geld braucht und ob knapp acht Millionen Euro nicht ausreichen, daß man von den Zinsen "leben" kann. Ich will nicht spenden. Ich nutze die Wikipedia, wie wohl die meisten. Aber ich spende viel zeit, in dem ich Artikel erstelle, bearbeite und Bilder zur Verfügung stelle. Wer das nicht macht,sollte wirklich Geld spenden, denn sonst ist man ein Schmarotzer.

Wer Adblock Plus nutzt (und warum sollte man das nicht, auch wenn Bild dagegen wettert), kann sich schnell befreien, denn auch nach einer Geld-Spende wird man genervt, meldet man sich nicht an.

Einfach einen eigenen Filter erstellen: wikipedia.org##div#WMDE_Banner
ABP-Filter gegen Wikipedia Spendenkampagne 2015

Montag, 23. November 2015

Je suis Paris. Nous somme État Islamique

Die Terroranschläge am 13. November in Paris sind tragisch - das steht außer Frage. Sie reihen sich ein in eine Liste vieler anderer.

Kaum machten die ersten berichte ihr Runde, überschwemmte die sozialen Netze und Medien eine Welle der Solidaritätsbekundungen. Jeder fühlte sich berufen, ein "je suis Paris" oder #PeaceForParis zu twittern, Peacezeichen mit Eiffelturm weiterzuleiten, Bauwerke mit der Trikolore zu schmücken usw.

Aber vergessen wir da nicht etwas? Was ist mit den Toten, die im Namen Gottes hingerichtet wurden? Was mit den Menschen, die täglich in einem der zahllosen Kriege sterben? Wer denkt an die Menschen, die wegen Hunger, Krankheit usw. täglich sterben?
Für diese Menschen tragen wir Verantwortung. Wir haben diese Menschen abgeschlachtet, als wird der Welt unseren christlichen Glauben aufdrängen wollten, Wir führen die Kriege in den Ländern des Nahen Ostens oder in Afrika. Wenn wir sie nicht direkt führen, verdienen unsere Waffenschmieden daran. Wir leben im Überfluß und medizinischer Überversorgung von der wir mehr abgeben könnten.
Wenn in Ägypten mehr Menschen (224) als in Paris bei einem Flugzuganschlag sterben, sieht man nirgends russische oder ägyptische Flaggen oder hört Bekundungen wie "نحن شبه جزيرة سيناء". Als in der Türkei 102 Leute sterben und 500 verletzt wurden, wieviel Anteilnahme bekundeten wir da? Ernsthaft und global Anteil genommen haben wir vermutlich das letzte mal 2013 beim Boston Marathon oder bei 9/11.
Gibt es also Menschen, die mehr Wert sind? Mehr Wert, daß man um sie trauert, als um andere sinnlos gestorbene? Trifft einen das Schicksal des Nachbarn mehr, als das des Fremden? Dabei sollten uns Türkei und Ägypten doch kaum fremd sein. Wer hat nicht schon einmal in einem der Länder Urlaub gemacht oder macht es sogar regelmäßig? Reicht der Kulturaustausch, Land und Leute kennenlernen nur so weit, wie das billigste Pauschalreiseangebot uns bringt? Was ist mit dem Türken an der Ecke, bei dem wir unseren Döner kaufen? Verdient er keinen Zuspruch, wenn seine Landsleute massakriert werden?

Auch ich gehe nicht hin und kümmere mich. Ich bin wie die Masse: von den meisten Anschlägen, Attentaten und Tragödien bekomme ich nichts oder nur wenig mit. Man blendet aus. Um so verlogener empfinde ich diese nun aufflammende Solidarität, die kaum mehr als ein Alibi und mitschwimmen auf der Welle ist; medienwirksames und finanzielles Ausschlachten einer Tragödie. Mitgefühl, mit einem Staat der sich die Werte Liberté, Égalité, Fraternité auf die Fahnen geschrieben hat aber nur so weit praktiziert, wie es seinen Staatsdienern in den Kram paßt.
Was aber ist die erste oder zweite Reaktion dieses Staates, Deutschlands, der EU, der NATO, der Welt? Ein Gegenschlag. Gegen welchen Feind? Es ist der gleiche Gegner, den man nun schon seit Jahren erfolglos bekämpft. Man überzieht eine ganze Region mit Terror, um für die Freiheit zu kämpfen. Im brüderlichen Schulterschluß mit anderen freiheitsliebenden Staaten.

Der nächste Schritt ist der Ruf nach mehr Überwachung, mehr Kontrolle, mehr Rechte für staatliche Sicherheitskräfte. Dieses Paradigma wird spätestens seit 2001 in ewig gleicher Leier wiederholt. Wirklich gebracht hat es nichts. Es ist unmöglich, ein Land, eine Stadt oder ein einzelnes Haus gegen Terrorismus zu schützen, wenn der Angreifer nur willensstark genug ist. Wir können keine Sicherheit erzwingen. Anstatt so den Terrorismus zu bekämpfen, wird der Bürger zum Opfer und Ziel des Staates. Freiheit und Gleichheit wird geopfert, um mit Aktionismus ein irrationales Gefühl von Sicherheit zu vermitteln und das dumme Wählervolk zu besänftigen. Vielleicht müssen wir einfach lernen, daß der Krieg, den wir die ganze Zeit in die Welt hinausgetragen haben, nun auch zu uns gekommen ist. Aber wird dürfen uns freuen: Im Nahen Osten, sterben jeden Tag deutlich mehr Menschen, als bei uns. Unsere behütete Welt ist weiterhin vergleichbar sicher und ungefährlich.

Die Frage ist auch: wer ist der eigentliche Feind? 130 Tote in Paris ist schrecklich. Wieviele Menschen starben wohl aufgrund von Terrorismus seit Ende des Zweiten Weltkrieges zusammen weltweit? Sicher ein paar Tausend. Klar, es sind zu viele. Es wäre wünschenswert, wenn es diese nicht gäbe. Aber rechtfertigt diese Zahl nun, daß Grundrechte eingeschränkt werden, ein demokratisches Land einen dreimonatigen Ausnahmezustand ausruft, Ausgeh- und Versammlungsverbote verhängt werden? Ein anderes Land tagelang sich einigelt und das öffentliche Leben zum Erliegen kommt? Kaum eine kritische Stimme, keiner fragt nach der Verhältnismäßigkeit. Wieviel Elend in dieser Welt hätte man mit den dabei verbrannten Geldmitteln unmittelbar beseitigen können?

Wieviele Leute starben wohl letztes Jahr im Straßenverkehr? Wieviele an Alkohol- oder Zigarettenkonsum, Herzinfakt, Übergewicht? Wieviele Menschen wurden in den letzten Jahren einfach ermordet? Je nach Quelle und Jahr kommen so (vorsichtig gerechnet) um die 140.000 Tote pro Jahr alleine in Deutschland zusammen.
Sorry, aber von alleine diesen wenigen Todesursachen ausgehend, sind gerade einmal 0,09 % durch Terrorismus in Paris gestorben. Macht es einen Unterschied, wie man stirbt? Ob durch die Hand eines religiösen Fanatikers, eines x-beliebigen Mörders oder einer Multi-Milliarden-Euro Industrie, die an dem Verkauf von Autos, Zigaretten und Alkohol verdient? Mal abgesehen davon, daß der Staat, der den Terroristen bekämpft, einen Teil seines Staatshaushaltes mit Steuern (14,1 Milliarden Euro Tabaksteuer 2013) und Abgaben auf diese Tatwerkzeuge bestreitet. Es ist vollkommen legal, Menschen zu vergiften, es wird hingenommen, daß Menschen totgefahren werden. Das wird schnell als allgemeines Lebensrisiko abgetan. Oder Eigenverschulden. Kein mediales Aufschreien, kein weltweites regetwittere, über ein Unfallopfer oder einer weiteren Alkoholleiche. Kein Krieg den legalen Drogen, kein "Gegenschlag" Richtung Waffenlobby. Keine Rede von Verschärfung der Überwachung, Einschnitten in Grundrechte. Es ist also ungleich wahrscheinlicher, daß Sie aufgrund eines Unfalls, einer Schießerei mit legal gekauften Waffen in Privatbesitz oder ungesundem Lebenswandel sterben, als durch die Hand eines Terroristen. Vermutlich werden Sie auch eher vom Blitz beim Scheißen getroffen.

Abgesehen davon, was wäre eine Möglichkeit, wie man auf Terrorismus reagieren könnte und die nicht zu noch mehr Krieg führt? Vielleicht einfach denen helfen, die sich gegen Fanatiker stellen. Aber anstatt Flüchtlinge zu begrüßen, die Ihrerseits vor Terror, Gewalt und Armut fliehen, schreien wir Bürger und unsere Politiker unisono nach strengeren Kontrollen, schärferen Aufnahmeregeln, Abschiebung, Kontingenten. Menschen, die von den religiösen Fanatikern fliehen, könnten wir unsere Weltanschauung zeigen, Ihnen helfen zu verstehen, warum wir gegen Unterdrückung und Totalitarismus sind. Wie unser langer, steiniger, von Blut übersäter Weg zu Demokratie aussah - als wir in Namen unseres Glaubens oder anderer fanatischer Machtphantasien Menschen abgeschlachtet haben und Terror als das Mittel der Wahl ansahen. Wir dürfen Ihnen nicht unseren Glauben aufzwingen und sie bekehren wollen, aber wir können sie lehren. Das kostet viel weniger als Krieg führen und ist nachhaltiger.
Aber was machen wir stattdessen? Wir weisen sie ab und schicken Flüchtlinge zurück in ihre Heimat (unter anderem mit dem fadenscheinigen Argument, es könne sich ja ein Terrorist unter ihnen befinden und unentdeckt ins Land kommen. Klar, weil sie ja nicht gerade erst bewiesen haben, daß sie das gar nicht müssen). Wir treiben die Menschen also lieber direkt in die Arme der Demagogen, die Terroristen ausbilden und zu uns schicken. Somit unterstützen wir direkt den IS - wir sind der Islamische Staat. Anschließend bekämpfen wir den gesichtslosen Feind mit Hilflosigkeit mit mehr Aufwand, als es uns "gekostet" hätte die Flüchtlinge aufzunehmen, auszubilden und als Multiplikatoren für Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit anzusehen. Wo würden die USA wohl heute stehen, ohne die Millionen von Wirtschaftsflüchtigen, die sich unter die Handvoll politisch-religiösen Emigranten mischten und das Land der tapferen voranbrachten?

Mittwoch, 11. November 2015

Warum sehe ich BLÖD.de nicht?

Im Web tobt ein neuer Kampf: Schwarz gegen Weiß. Werbeindustrie gegen Werbeverweigerer/Freibier vs. Kommerz.

Quelle: http://www.bild.de/wa/ll/bild-de/unangemeldet-42925516.bild.html
Auf der einen Seite stehen Anbieter, die sich ihren Webauftritt vergolden wollen, in dem sie Werbung präsentieren. Die Form der Werbung hat sich in den letzten Jahren immer stärker verändert und wurde zunehmend aggressiver.

Quelle: http://www.geo.de/

Anstatt eines statischen Bildes oder eines Textes (so, wie es bis vor kurzem Google noch vorgelebt hat), werden heutzutage meist viele Werbeflächen verkauft, die alle medialen Tricks nutzen. Dazu gehören animierte (Flash-) Videos, Layer, die sich in den Vordergrund schieben, Audio usw.

Auch Google überspannt den Bogen zunehmend (zumindest bei der Anzahl).
Immerhin sind es statische Elemente.
Quelle: https://www.google.de/#q=winterreifen

Zum einen stört das geblinke und getöne natürlich beim Studium der eigentlichen Seite, denn keiner geht auf so eine Webseite, um die Werbung zu sehen. Auch wenn einige Anbieter, den Besucher für dumm verkaufen wollen und 100% Werbung zeigen und das eigentliche Angebot nur am Rande erreichbar machen.

Quelle: http://www.gmx.net/


Die Werbung an sich könnte man ja vielleicht noch als Übel hinnehmen. Um Werbung aber effektiv verkaufen zu können und möglichst viel Nutzen (aus Sicht der Werbeindustrie) daraus zu ziehen, werden alle möglichen Techniken genutzt, um den Besucher (wieder-) zu erkennen. Das nennt sich Tracking.

25 gefundene Tracker auf einer einzelnen Webseite.
Diese Tracker stellen einen eklatanten und Eingriff in die Privatsphäre und den Datenschutz dar, den kein Mensch hinnehmen sollte oder muß. Selbst wenn man in seinem Browser nichts gegen die Werbung an sich unternimmt und nur gegen die Tracker vorgeht, in dem man sie mit einem Add-On wie Ghostery deaktiviert, wird man teilweise von den Webseiten ausgeschlossen und sieht dann den Adblocker-Hinweis (zum Beispiel bei Bild.de). Es geht also nicht nur darum, Werbung anzuzeigen, sondern auch, daß Nutzerverhalten zu protokollieren und zu analysieren. Denn dadurch können die Werbeeinnahmen maximiert werden.
Werbung in Printmedien und auf Plakaten ist statisch und anonym. In einer Zeitschrift wimmelt es von Anzeigen. Aber ich werde beim Lesen der Zeitschrift nicht belästigt und vor allem nicht (heimlich) beobachtet. Es werden keine Daten über mich irgendwo bei einem Anbieter (oder auf meinem PC) auf unbestimmte Zeit gespeichert und verkauft. Das ist ein wichtiger Unterschied, warum Werbung in einer Zeitschrift akzeptiert wird (obwohl man sogar für die Zeitschrift i. d. R. schon Geld bezahlt hat), während man sich dagegen im Web wehrt.

Ein weiteres Problem der multimedialen Werbung im Internet ist, daß sie sehr oft von Schadsoftware begleitet wird. Fehler in der Software, die für die Anzeige der Werbung erforderlich ist (z. B. Flash), strotzt vor Fehlern (weshalb es fast wöchentlich ein Update gibt). Der Werbeanbieter übernimmt aber keine Verantwortung dafür, wenn durch Mißbrauch seiner Werbung mir ein Virus oder ähnliches untergeschoben wird. Das ich mich gegen Techniken schütze, die mich persönlich gefährden, sollte wohl selbstverständlich sein und ist mein gutes Recht.

Die Anbieter von Webseiten mit Werbung halten natürlich dagegen und das meistens mit den gleichen Argumenten:
  • Der Inhalt der Webseite ("content") sei schließlich kostenlos zu nutzen, koste aber bei der Produktion Geld (Personal, Technik usw.)
  • Werbung sei die das bei Weitem am besten funktionierende universelle Geschäftsmodell im Internet.
Wenn ich den content nur noch zu sehen bekomme, in dem ich mit Werbung zugemüllt werde und persönliche Daten gesammelt und verkauft werden, ich Sicherheitsrisiken eingehen muß, dann ist der Inhalt nicht wirklich kostenlos, sondern es wird ein Preis verlangt, den ich nicht bereit bin, zu zahlen. Im Grunde ist das eine Gratis-Mentalität des Anbieters: Ich stelle meine Daten, meine Zeit, mein Leben gratis für seinen Profit zur Verfügung.
Das Internet wurde nicht für Geschäftsmodelle geschaffen, sondern für den freien Austausch von Informationen. Wer Geld verdienen will, sollte sich ein Betätigungsfeld suchen, bei dem er ein Produkt anbietet, für das andere auch (gerne) bereit sind, zu zahlen. Eine Möglichkeit sind Bezahlschranken. Das Problem mit denen ist, daß die meisten Anwender nicht bereit sind, für kostenlosen Inhalt zu bezahlen. Das Phänomen Internet sorgt nämlich dafür, daß (fast) alles, wofür man an einer Stelle bezahlen soll, an anderer für umsonst zu haben ist. Wer also für seinen content Geld verlangt, braucht wirklich einmaligen (guten) Inhalt. Ansonsten bleiben die Besucher der Seite einfach fern. Zumal oft genug auch nach einer solchen Schranke lästige Werbung angezeigt und Tracking eingesetzt wird.

Auch im Fernsehen begegnet uns Werbung. Bei den öffentlich-rechtlichen sogar, obwohl jeder Bürger schon dazu gezwungen wird, GEZ-Gebühren zu bezahlen. Bei den privaten Sendern ist es verständlich. Aber auch da kann ich bei einem Werbeblock wegzappen ohne, daß ich deshalb am sehen des restlichen Programms gehindert werden. Ein Grund, warum die Werbung innerhalb einer Sendung immer bizarre und penetrante Formen annimmt. Aber auch hier: mein Seh-verhalten ist anonym. Daran kann sich die Web-Werbung orientieren: Sie sollte nicht versuchen, daß monetäre Maximum auf Kosten der Besucher abzuschöpfen. Sie sollte sich mit dem Zufrieden geben, was ein Besucher bereit ist zu geben. Statische, unaufdringliche Werbung in angemessener Größe und ohne Tracking ist durchaus akzeptabel. Auch hier wird es Anwender geben, die diese unterdrücken. Aber dann ist das hinzunehmen, so wie das wegzappen im TV, denn es gibt genügend andere Anwender, die sich berieseln lassen.

Dienstag, 15. September 2015

Unsere Politiker: feiges, verlogenes Dreckspack

Dieser Sommer ist geprägt vom Flüchtlingsdrama. Warum die Leute fliehen, woher Sie kommen, was Sie (hier) wollen... All das ist vollkommen Scheißegal.

Es sind Menschen, die Hilfe benötigen!

Geht es um Pleitestaaten, Bankenkrisen, Pfründe, Steuerschlupflöcher usw, dann sind die Volksvertreter schnell bei der Sache und können sich einigen - EU-weit. Geht es um Menschenrechte, das Grundgesetz, Humanität, christliche Nächstenliebe, dann sind alle Parteien (selbst die, die sich sogar im Namen damit verlogenerweise schmücken) auf einmal unfähig.
Wir sind eins der reichsten Länder. Wir haben genug Platz. Massenweise stehen Kasernen und ähnliche Einrichtungen leer. Diese gehören dem Staat, bieten alles, was man für eine menschenwürdige Unterkunft benötigt und sind gut gesichert. Wir haben genug zu essen und zu trinken. Wir könnten jedem Menschen, der es bis nach Europa schafft, die Hand reichen und ihn ihn den Arm nehmen, ihm ein Dach über dem Kopf, ein Bett und Nahrung bieten. Frieden schenken.

Aber nein, da wird um Quoten gestritten, Grenzen werden dicht gemacht, Flüchtlinge kriminalisiert, schikaniert, diskriminiert, palavert, vertagt. All das, weil man sich um ein paar Euro streitet. Euros, die gerne für o. g. Zwecke, Kriege, Militär, schwachsinnige Subventionen usw. zum Fenster herausgeschmissen werden. Und trotz Massenüberwachung durch NSA, BND etc. und Frontex sind alle überrascht davon, daß auf einmal Hunderttausend Menschen nach Europa drängen - als wären sie überraschend vom Himmel gefallen und nicht schon seit Wochen unterwegs. Man stelle sich nur vor, wie leicht man in den Massen Terroristen verstecken kann - würde man es denn wollen, aber so ist eigentlich die Denkweise der Schlapphüte. Wieso dringt man dann in die Privatsphäre der eigenen Staatsbürger ein und mißachtet Grundrechte, wenn man nicht einmal in der Lage ist einen Exodus auf diesem Globus zu entdecken?

Es ist peinlich, ein Deutscher zu sein.

Nehmt endlich die Leute auf, kümmert Euch um sie und dann, wenn Ruhe in die Situation eingekehrt ist, kann man immer noch darüber nachdenken, wo man die Mitmenschen hin abschiebt, wieder los wird, seine rassistischen Triebe befriedigt oder sie doch als Chance ansieht und sein Image in der Welt gehörig aufpoliert.


 
Charlie Chaplin: Der große Diktator, Epilog

Schultz:
   Jetzt müssen Sie sprechen.
Friseur:
   Ich kann nicht.
Schultz:
   Sie müssen! Das ist unsere einzige Hoffnung.
Friseur:
   Hoffnung?…
   Es tut mir leid aber ich möchte nun mal kein Herrscher der Welt sein, denn das liegt mir nicht. Ich möchte weder herrschen, noch irgendwen erobern, sondern jedem Menschen helfen, wo immer ich kann. Den Juden, den Heiden, den Farbigen, den Weißen. Jeder Mensch sollte dem anderen helfen, nur so verbessern wir die Welt. Wir sollten am Glück des andern teilhaben und nicht einander verabscheuen. Haß und Verachtung bringen uns niemals näher. Auf dieser Welt ist Patz genug für jeden, und Mutter Erde ist reich genug, um jeden von uns satt zu machen. Das Leben kann ja so erfreulich und wunderbar sein. Wir müssen es nur wieder zu leben lernen.
   Die Habgier hat das Gute im Menschen verschüttet und Mißgunst hat die Seelen vergiftet und uns im Paradeschritt zu Verderb und Blutschuld geführt. Wir haben die Geschwindigkeit entwickelt aber innerlich sind wir stehen geblieben. Wir lassen Maschinen für uns arbeiten und sie denken auch für uns. Die Klugheit hat uns hochmütig werden lassen, und unser Wissen kalt und hart. Wir sprechen zu viel und fühlen zu wenig. Aber zuerst kommt die Menschlichkeit und dann erst die Maschinen. Vor Klugheit und Wissen kommt Toleranz und Güte. Ohne Menschlichkeit und Nächstenliebe ist unser Dasein nicht lebenswert. Aeroplane und Radio haben uns einander näher gebracht. Diese Erfindungen haben eine Brücke geschlagen, von Mensch zu Mensch. Die erfordern eine allumfassende Brüderlichkeit, damit wir alle Eins werden. Millionen Menschen auf der Welt können im Augenblick meine Stimme hören. Millionen verzweifelter Menschen, Opfer eines Systems, das es sich zur Aufgabe gemacht hat Unschuldige zu quälen, und in Ketten zu legen. Allen denen die mich jetzt hören rufe ich zu: „Ihr dürft nicht verzagen!“ Auch das bittere Leid das über uns gekommen ist, ist vergänglich. Die Männer, die heute die Menschlichkeit mit Füßen treten, werden nicht immer da sein. Ihre Grausamkeit stirbt mit ihnen, und auch ihr Haß. Die Freiheit, die sie den Menschen genommen haben, wird ihnen dann zurückgegeben werden. Auch wenn es Blut und Tränen kostet, für die Freiheit ist kein Opfer zu groß.
   Soldaten vertraut euch nicht Barbaren an, Unmenschen die euch verachten, und denen euer Leben nichts wert ist. Ihr seid für sie nur Sklaven. Ihr habt das zu tun, das zu glauben, das zu fühlen. Ihr werdet gedrillt, gefüttert, wie Vieh behandelt, und seid nichts weiter als Kanonenfutter. Ihr seid viel zu schade für diese verehrten Subjekte. Diese Maschinenmenschen, mit Maschinenköpfen, und Maschinenherzen. Ihr seid keine Roboter, ihr seid keine Tiere, ihr seid Menschen! Bewahrt euch die Menschlichkeit in euren Herzen und haßt nicht. Nur wer nicht geliebt wird haßt - nur wer nicht geliebt wird. Soldaten kämpft nicht für die Sklaverei, kämpft für die Freiheit.
   Im siebzehnten Kapitel des Evangelisten Lukas steht: Gott wohnt in jedem Menschen. Also nicht nur in einem oder in einer Gruppe von Menschen. Vergeßt nie, Gott liegt in euch allen, und ihr als Volk habt allein die Macht. Die Macht Kanonen zu fabrizieren, aber auch die Macht Glück zu spenden. Ihr als Volk habt es in der Hand, dieses Leben einmalig kostbar zu machen, es mit wunderbarem Freiheitsgeist zu durchdringen.
   Daher im Namen der Demokratie: Laßt und diese Macht nutzen! Laßt uns zusammen stehen! Laßt uns kämpfen für eine neue Welt, für eine anständige Welt! Die jedermann gleiche Chancen gibt, die der Jugend eine Zukunft und den Alten Sicherheit gewährt. Versprochen haben die Unterdrücker das auch, deshalb konnten sie die Macht ergreifen. Das war Lüge, wie überhaupt alles, was sie euch versprachen, diese Verbrecher. Diktatoren wollen die Freiheit nur für sich, das Volk soll versklavt bleiben. Laßt uns diese Ketten sprengen! Laßt uns kämpfen für eine bessere Welt! Laßt uns kämpfen für die Freiheit in der Welt, das ist ein Ziel, für das es sich zu kämpfen lohnt. Nieder mit der Unterdrückung, dem Haß und der Intoleranz! Laßt uns kämpfen für eine Welt der Sauberkeit. In der die Vernunft siegt, in der Fortschritt und Wissenschaft uns allen zum Segen gereicht. Kameraden, im Namen der Demokratie: dafür laßt uns streiten!

Mittwoch, 15. Juli 2015

Das ist ja dämlich

Zwei aktuelle Werbespots treiben mich mal wieder an die Tasten.

Fangen wir mit den geldgeilen Leuten an, die noch immer nicht kapiert haben, daß nur wenige Leute mit Aktienhandel Geld verdienen. Der Dienstleister Ayondo wirbt jetzt damit, daß man in sein eigenes Portfolio nur die Top-Trader "reinzuziehen" braucht, und schon folgt man den "Experten". Dann werden deren Transaktionen automatisch die eigenen:
Das heißt, wenn Sie Gewinne machen, mache ich auch Gewinne?
Stimmt genau!
Ja, genau. Aber was der smarte Typ natürlich nicht sagt:
Das heißt, wenn Sie Verluste machen, mache ich auch Verluste?
Stimmt genauso!
Das ist ja genial! Au man, wie verblödet muß man eigentlich sein?

Der andere Spot wirbt mal wieder mit der tollen innovativen Leistung ... einer Werbeabteilung. Aufhänger und Kern der Werbeaussage ich natürlich, wie umweltfreundlich das neue Produkt doch ist. Die neuen Energizer EcoAdvanced kommen aus einer Alt-mach-neu-Kiste. Die neuen Batterien enthalten doch tatsächlich 3,8 bis 4% Alt-Batterien.
Ich kann es erst gar nicht glauben und suche nach einem Denkfehler bei mir. Aber es scheint wirklich so zu sein: Die werben damit, daß sie lächerlich wenig Recyclingmaterial verwenden. Laut Webseite lag der Anteil bisher bei 0%. Es geht nicht darum, daß die alten Batterien wieder aufgefrischt und neu etikettiert werden oder so. Nein, sie nehmen 4% des Schrott, der nach der Batteriesammlung, Sortierung und Trennung entsteht und machen daraus eine neue Batterie. Ja bitte, wozu schleppe ich da eigentlich meine Altbatterie zur Sammelbox, wenn aus dem Material nichts sinnvolles gemacht wird? Allein der Wasseranteil in einer Altbatterie ist ja größer. Nimmt man nur das Eisen, dann läge die Quote schon bei 19%. Ist doch traurig: die Stiftung Gemeinsames Rücknahmesystem Batterien brüstet sich mit tollen Statistiken und dann wird aus einer Altbatterie keine neue. Sobald aber ein Hersteller von der Recyclingfirma eine marginale Menge Altteile aufkauft (und das vermutlich dann einfach in Form von Eisen einschmilzt oder das Elektrolyt auffrischt), macht sie damit Werbung und alle denken, daß sie nun etwas gutes für die Umwelt tun. Da wird die Stiftung aber viel zu kommunizieren haben, wenn sie jetzt den Leuten klar machen will, daß auch aus den bisher gesammelten Batterien (und weiterhin auch aus den Billigteilen) zu 90% wieder Rohstoffe gewonnen werden, die zwar nicht in Batterien landen aber dafür in anderen Dingen, für die ebenfalls keine Rohstoffe neu abgebaut werden mußten.

Sonntag, 14. Juni 2015

Bilden wir erst einmal einen Arbeitskreis

Früher kämpften Frauen um ihr Wahlrecht bei der Regierungswahl. Heute gehen die Kinder und Enkel dieser Frauen nicht mehr zur Bundestags-, Lankreis-, Bürgermeisterwahl usw. Auch die Männer, die vor nicht einmal einem Jahrhundert noch ihre Pfründe verteidigten, verweigern die Stimmabgabe.
Und wie reagiert eine Regierung, die offenbar jede Bodenhaftung und den Kontakt zum gemeinen Wahlvolk verloren hat? Sie fragt sich, warum das so ist und gründet eine Arbeitsgruppe, die klären soll, wieso die Wahlbeteiligung so gering ist (eine der Verlautbarungen geht in dir Richtung, daß das Wahlsystem zu kompliziert sei). So werden erst einmal Steuergelder (vermutlich im oberen sechsstelligen Bereich) verpulvert, obskure Ideen entwickelt und anschließend noch mehr Steuergelder vergeudet, um die "Ideen" umzusetzen. Soll ich mal raten? Briefwahl, Internetwahl, elektronische Wahlurnen, mehr Infomaterial, mehr "ich geh' wählen - du auch!"-Imagekampagnen, Wahlpflicht.

Liebe Politiker,
ich versuche es mal, euch so einfach wie möglich zu erklären, warum das Fußvolk nicht mehr wählen geht:
Der kleine Hase Paule hat Lust auf eine Pizza. An seinem Kühlschrank hängen verschiedene Flyer von Lieferdiensten, die alle "die beste Pizza", frische und super Preise versprechen. Auch in der Stadt sieht er immer wieder Werbung für tolle Pizzalieferdienste. Er hat nun die Qual der Wahl. Er hat sich schon mit Freunden und seiner Familie beratschlagt, welcher Lieferdienst denn der ist, der am ehesten alle Wünsche erfüllt. Hitzige Debatten in verqualmten Kneipen führten zu einem Entschluß und so greift er zum Telefon, wählt den auserkorenen Anbieter und bestellt eine Pizza Hawaii.
Natürlich muß er ein wenig warten aber dann kommt der Bote und bringt eine Pizza. In der Wartezeit hat er sich schon darauf gefreut, eine gute Wahl getroffen zu haben und erhofft sich nicht nur ein sättigendes Gefühl im Magen, sondern auch eine Gaumenfreude und damit einhergehende Verbesserung seines Lebens. Aber es ist keine Hawaii, sondern eine Margherita. Die hat er nicht gewählt aber bevor er hungert, schluckt er seinen Frust herunter und begnügt sich mit dem "Spatz in der Hand".

Tage später ist es wieder einmal so weit. Wieder gelüstet es ihm nach einer Lieferpizza. Er kann sich nun überlegen, ob er dem bisherigen Lieferdienst eine zweite Chance gibt oder ob er einen anderen Anbieter ausprobiert, in der Hoffnung, daß dieser seine Bedürfnisse ernst nimmt und liefert, was er verspricht. Paule entschließt sich für den gleichen Anbieter, bestellt wieder eine Hawaii. Der Lieferdienst verspricht wieder das blaue vom Himmel, daß es ihm leid tut, das er jetzt auf jeden Fall das versprochene liefert und das jeder Kunde ihm wichtig ist. Es kommt, wie es kommen muß: Wenig später scheinen alle Versprechen vergessen und es wird wieder eine Margherita geliefert.

Paule fühlt sich verschaukelt. Wieso hält der Lieferdienst nicht, was er verspricht? Also denkt er sich, daß er den Anbieter wechseln wird. Es gibt ja genügend Alternativen. Also bestellt er diesmal bei einem anderen Lieferanten seine begehrte Hawaii. Aber auch dieser Lieferdienst scheint seine vollmundigen Versprechen schon kurz nach Erhalt des Auftrages vergessen zu haben. Paule muß wieder an einer Margherita knabbern.

Nun ist Paule frustriert. Er denkt sich, daß die Pizzalieferdienste es anscheinend einfach nicht nötig haben, sich an ihre Werbeflyer und Versprechen zu halten. Hauptsache, sie haben einen Auftrag erhalten und das Geld eingestrichen. Also wird er diesmal aus Protest keine Pizza bestellen. Er entscheidet sich für Sushi. Er versteht zwar nicht alles, was der Sushilieferdienst da auf seinem Werbeflyer verspricht und so ganz mag er den Fisch auch nicht, aber wenn die etablierten Dienste nicht das machen, was sie versprechen, dann vielleicht die kleinen Anbieter. Nach der üblichen Wartezeit kommt wieder das böse Erwachen: Er bekommt wieder eine Pizza Margherita geliefert - dabei wollte er doch nicht einmal Pizza, egal welche, er wollte was Neues.

Paule ist lernfähig: es ist anscheinend völlig egal, was er wählt, er bekommt doch immer den gleichen Einheitsbrei. Kein Lieferdienst hat ein eigenes Profil und hält sich an seine vollmundigen Versprechen. Es ist völlig egal, was Paule wählt, er bekommt das, was ihm der Lieferdienst liefern will, daß was die meisten schlucken werden, auch wenn sie es eigentlich nicht wollten.

Paule zieht aus dem gelernten eine logische Konsequenz: er wählt nicht mehr einen Lieferdienst aus, sondern wirft die Flyer mit den (Aus-) Wahlversprechen weg, ignoriert die Werbung im Fernsehen und in der Stadt und holt sich eine Tiefkühlpizza Hawaii.

Später stellen die Lieferdienste fest, daß die Kunden ausbleiben. Immer weniger Leute wählen ihre Nummer und sie fragen sich, wieso das so ist. Also starten sie eine Umfrage, was der Grund dafür ist, machen noch auffälligere Werbung, versprechen jedem Kunden eine Freipizza, gehen sogar in Schulen und machen dort Werbung, bieten Online-Bestellungen, Bestell-Apps, einfachere Bestellabläufe usw. Das kostet die Lieferdienste viel Geld. Aber Paule fragt keiner. Der hat zwar mitbekommen, daß die Lieferdienste klagen aber es ist ihm inzwischen egal geworden. Er denkt sich nur, daß die Anbieter nur wieder so tun, als ob es sie interessieren würde, was die Kunden wollen. Fallen genügend wieder darauf herein, wird alles wieder so wie früher: Margherita-Einheitsbrei. Paule hat jetzt einen großen Vorrat TK Pizza Hawaii und erhofft sich keine Verbesserung seines Wohlbefindens seitens der Lieferdienste. In der Presse hat Paule auch gelesen, daß es eine Lieferdienstlobby gibt. Diese unternimmt alles, um ihre eigenen Interessen durchzusetzen und die Lieferdienste vor Ort sind kaum mehr als willfähige Erfüllungsgehilfen. Ein weiterer Grund, warum der Pizza- Sushi-, Döner-, Chinalieferdienst & Co. immer mehr an Vertrauen verspielt hat.




Freitag, 7. November 2014

Aus dem 1. Buch des Samuel, Kapitel 17 - hier die frei interpretierte Version

Heute bekam ich als Online-Shopbetreiber mal wieder eine Email, die mich fragen läßt, ob ich so engstirnig und eigensinnig bin oder ob die "großen" Firmen denken, daß sie mit den "kleinen" Firmen umspringen können, wie sie wollen.

Thyssen Krupp System Engineering schreibt mir: "als PDF-Datei angefügt, finden Sie unsere o.g. Bestellung."

Dem folgt ein Absatz darüber, was ein PDF ist und was ich damit machen soll. Vielleicht will ich das aber nicht? Immerhin ist es keine Word oder Excel Datei und so öffne ich den Anhang mal. Ich ahne zwar, was da drin steht, aber ich will mich ja auch mal amüsieren.

Es handelt sich um eine Bestellung von einem Stecker. Warenwert: € 4,16 netto.

Um diesen umfangreichen Auftrag ausführen zu können, muß ich nun folgendes machen:
  • mich durch 3 Seiten PDF für die Bestellung arbeiten
  • Ihre Auftragsbedingungen akzeptieren, als da wären:
    • Lieferbedingungen EXW Incoterms 2010 (was ist das? muß ich das wissen?)
    • Zahlungsbedingungen sofort nach Rechnungserhalt
    • Verpackung Neuruppin (soll ich jetzt Neuruppin verpacken?)
    • Dieser Bestellung unterliegen zusätzlich folgende, mitgeltende Unterlagen, die Sie auf unserer Internetseite unter www.thyssenkrupp-systemengineering.com, im Bereich "Einkauf"; "Downloads" in der gültigen Fassung finden:
      • Unsere Allgemeinen Einkaufsbedingungen (AEB) (1 DIN A4 Seite in Mikroschrift) (ich habe das mal verlinkt, laut PDF hätte ich da erst mal auf deren Webseite suchen dürfen). U. a. enthält dies:
        • Die Preise sind Festpreise. Sie schließen alles ein, was der Auftragnehmer zur Erfüllung seiner Lieferungs-/Leistungspflicht zu bewirken hat.
          Sprich: Ich drücke den Artikel dem Kurierdienst einfach in die Hand? Verpackungskosten fallen keine an.
        • Vom Auftragnehmer im Geschäftsverkehr mit dem Auftraggeber verwendete Unterlagen müssen mindestens aufweisen [...]
          Ich muß also ggf. noch meine Rechnungsvorlage anpassen.
        • Der Auftragnehmer willigt hiermit in Qualitätsaudits zur Beurteilung der Wirksamkeit seines Qualitätssicherungssystems durch den Auftraggeber oder einen von diesem Beauftragten ein.
          Wenn ThyssenKrupp also meint, die wollen ein Treffen dazu abhalten, dann darf ich meine Zeit und alles opfern, um mich mit denen an einen Tisch zu setzen.
        • Der Auftragnehmer ist nicht berechtigt, die Ausführung des jeweiligen Vertrages ganz oder teilweise auf Dritte zu übertragen.
          OK, ich darf also keine Dritten (Kurierdienst etc.) beauftragen. Kein Problem, ich liefere weltweit persönlich.
        • Die Begleichung der Rechung erfolgt am Ende des der Lieferung/Leistung sowie Rechnungseingangs folgenden Monats.
          Wie paßt das mit den o. g. Zahlungsbedingungen zusammen?
        • Entstehen dem Auftraggeber infolge mangelhafter Lieferung/Leistung Kosten, wie z.B. Transport-, Wege-, Arbeits-, Materialkosten, Vertragsstrafen so hat der Auftragnehmer diese Kosten zu tragen.
          Kein Ding: ThyssenKrupp geht pleite, die Heerscharen gutbezahlter Anwälte schieben das meinem Stecker in die Schuhe und ich darf bis ans Ende meines Lebens zahlen - verstehe ich voll.
        • Mängelansprüche verjähren in 36 Monaten.
          Jeder normale Kunde hat nur 6 Monate. Aber 3 Jahre ist auch kein Thema, ich verkaufe schließlich Qualität.
        • Der Auftragnehmer wird über alle betrieblichen Vorgänge, Einrichtungen, Anlagen, Unterlagen usw. bei dem Auftraggeber und seinen Kunden, die ihm im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit für den Auftraggeber bekannt werden, auch nach Abgabe der jeweiligen Angebote bzw. Erledigung des Vertrages Dritten gegenüber Stillschweigen bewahren.
          Ups.
      • unsere Richtlinie: Allgemeine Versandvorschriften (19 DIN A4 Seiten):
        • Sendungen < 30 kg, es ist der jeweils gültige KEP-Prozess (siehe Kapitel 3 „Versandabwicklung von Kleingutsendungen“) zu berücksichtigen.
          Der Stecker wiegt keine 100 Gramm, also muß ich wohl mal sehen, was da noch kommt.
        • Die Sendungen sind dem Dienstleister grundsätzlich Montag – Freitag in einer Kernzeit von 08:00 Uhr bis 18:00 Uhr bereitzustellen.
          Oh shit, da muß ich mal eben mit dem Paketdienst sprechen. Bei mir kommen die oft weit nach 20 Uhr (weil man sich kennt). Kein Problem, so ein großes Logistikunternehmen wie UPS geht da bestimmt auf meine Sonderwünsche ein.
        • Bei Abweichungen gegenüber den Versandvorschriften belastet ThyssenKrupp System Engineering für jeden schuldhaften Verstoß des Lieferanten gegen die vereinbarten Bedingungen die entstandenen Mehrkosten zzgl. den Prozesskosten zur Belastungserstellung weiter. Die Parteien vereinbaren hinsichtlich der Prozesskosten einen Stundensatz von 75,00 Euro für die Erstellung der Belastung.
          Fair ist fair. Wenn ich in den vielen Dokumenten irgendwas übersehe, weil ich ja nicht jeden Tag mit Thyssen Krupp als Partner zusammenarbeite und die quasi Beamten aus der Bestellabteilung seit 20 Jahren nichts anderes machen als ihren Job in festgefahrenen Bahnen, bin ich gerne bereit, den 18-fachen Einkaufswert pro Stunde zu bezahlen. Da muß ich ja nur noch ein paar andere Kunden finden, bis ich das wieder drin habe.
    • Alle Teile mit einem Gewicht von weniger als 30 kg sollen per UPS versendet werden.
      Ich nutzte zwar sonst einen anderen Dienstleister (Hermes) aber kein Problem. Ich suche erst mal die UPS Telefonnummer raus, ärgere mich dann in einer kostenpflichtigen Warteschleife bei weichgespülter Musik, akzeptiere dann deren Abholtermin irgendwann am nächsten Tag warte dann munter auf die, anstatt meinen etablierten Dienstleister zu nehmen, der kommt, wann wir das vereinbart haben, dessen Versandscheine ich automatisiert ausfüllen kann und dem ich vertraue.
    • Zur Klärung der Abwicklung des anzuliefernden Umfangs ist max. 2 Wochen vor der Auslieferung der Versand mit unserer Auftragsabwicklung abzustimmen. Bitte setzen Sie sich mit unserer Auftragsabwicklung in Verbindung [...].
      Mach ich doch immer. Wenn ein Kunde was bei mir bestellt, dann telefoniere ich dem so lange hinterher, bis ich ihn erreiche und kläre genau ab, wie Hermes (ach nee: UPS) die konspirative Übergabe handhaben wird - ist ganz kompliziert (Tür öffnen, lächeln, "Ja, ich will es haben" sagen, Name nennen, warten auf Scannen und Tippen, unterschreiben, Sendung entgegennehmen, "Tschüß", Tür schließen).
  • Diese Bestellung wurde maschinell erstellt und ist ohne Unterschrift gültig.
    Diese Satire ist humanistisch erstellt und viel gültiger.
  • Die Rechnung stellen wir zweifach aus.
    Wieso? Habt ihr einen Vertrag mit der Papierindustrie oder seit ihr im Wettbewerb um die Abholzung des Regenwaldes? Habt ihr keinen eigenen Fotokopierer? Oder ist das zu teuer? Wobei: da steht ja nur, wir stellen sie zweimal aus. Davon, daß wir sie dem Auftraggeber in zweifacher Ausfertigung zukommen lassen, steht da nichts. Also drucke ich sie zweimal aus und schmeiße eine Kopie direkt in den Schredder. Macht voll Sinn.
  • Eine Auftragsbestätigung soll ich auch noch (per Post) verschicken. Kostet also ca. 1 Euro für Porto, Umschlag etc. Mal abgesehen davon, daß ein Firmenstempel drauf soll. Habe ich nicht, braucht man nämlich nicht. Ist ein antiquiertes Denken aus Kaiser-Bismarck-Zeiten in denen viele Firmen und vor allem deren "Sachbearbeiter" noch immer feststecken.
Ich habe lange mit mir gerungen aber dann doch beschlossen: ich lehne (dankend) ab. Den Kunden verliere ich lieber, als daß ich ihn beliefere. Zumal ich gar nicht weiß, was er eigentlich bestellen will, denn der maschinelle Auftraggeber sah sich nicht in der Lage, meine Artikelbezeichnung aus meiner Webseite richtig zu kopieren (cut and paste ist wirklich schwierig):
STECKER
Herstellerteile-Nr. OBD-2 BUCHSENSTECKER / / OBD-2 BUCHSENS
Hersteller OBD2-SHOP.EU
Typ-Bezeichnung.........: OBD-2 BUCHSENSTECKER
Artikelnummer...........: OBD-2 BUCHSENSTECKER
Polzahl.................: 16
Anschl.Quers.1 max.(mm²): 1
Kontaktausführung.......: BUCHSE-M
Kontaktanschlussart.....: CRIMPEN
Nennstrom max........(A): 5
Kategorie...............: CONNECTOR
Aber selbst wenn ich es erraten könnte: Für € 4,16 verzichte ich auf den ganzen Aufwand. Man stelle sich nur mal vor, was das für ein Stundenlohn wird, wenn ich diese ganzen Pamphlete von denen erst einmal durcharbeiten muß. Und vermutlich sollte man das auch seinem Anwalt vorlegen. Schon alleine der Brief mit der Auftragsbestätigung frißt aber die Gewinnmarge auf. Es wäre für mich gewinnbringender, den Stecker einfach Thyssen Krupp zu schenken. Würde ich denken, daß irgendwer von den Sesselpupsern den Humor dahinter verstehen könnte, würde ich mir den Spaß sogar machen.

Da soll sich lieber einer meiner Mitbewerber die Finger dran verbrennen.

Wobei... ich glaube, ich habe gar keine Mitbewerber auf dem Gebiet.

Na egal: wenn Thyssen Krupp den Stecker will, können Sie ihn gerne bei mir im Online Shop kaufen. Das ist ganz einfach und geht schnell. Sie können per Vorkasse zahlen (viele Firmen behaupten zwar, das können sie nicht, das liegt aber nur daran, daß sie nicht wollen. Meistens wird die Schuld der Buchhaltung zugeschoben, die das nicht will, weil sie geistig eben irgendwo im 18. Jahrhundert stehen geblieben ist) oder per Nachnahme oder Rechnung. Dann muß keiner irgendwelche Bedingungen lesen, denn ich habe keine. Das geht nämlich! Man braucht keine AGB (ohne "s"!). Dann gilt das BGB. Das ist viel kundenfreundlicher.

Also will ich lieb sein und den Absender der Email über meinen Entschluß informieren. Dazu gibt es die praktische Reply- (oder "Antworten") Funktion. Dumm nur, daß ich lesen muß:
Dies ist eine automatisch generierte E-Mail. Die Absenderadresse kann nicht genutzt werden.
Das macht Sinn. Vor allem, wenn davor noch dieser weit verbreitete Blödsinn steht:
Sollten Sie diese Nachricht irrtümlich erhalten haben, bitten wir Sie, sich mit dem Absender in Verbindung zu setzen.

Wer nun glaubt, all das sei ein Einzelfall, der irrt gewaltig.


Nachtrag I (17.11.)

Heute landet im Posteingang eine weitere Email der ThyssenKrupp System Engineering GmbH. Darin enthalten eine zweiseitige Mahnung "als PDF-Datei angefügt finden Sie eine Aufstellung von fehlenden Auftragsbestätigungen zu Bestellungen".
Bitte beachten Sie, dass bei fehlender Auftragsbestätigung unser Auftrag und die in unserer Bestellung vorgegebenen Liefertermine als angenommen verstanden werden [...]
Das nennen ich mal eine verwegene Annahme. Also ich schicke jemanden wildfremden einen Auftrag mit völlig inakzeptablen Bedingungen und gehe dann davon aus, daß dieser angenommen wird, auch wenn der andere dies nicht bestätigt (zumal er dies ja auch gar nicht mit verhältnismäßigem Aufwand ablehnen kann, da die Email Adresse des Absenders ja nicht funktioniert, was sich vermutlich bei einer rechtlichen Prüfung zumindest als fragwürdig herausstellen dürfte).
Soll ich da reagieren? Auf meine Emails haben sie ja auch nicht reagiert. Andererseits könnte man von einer Firma, die derartig viel Aufwand betreibt und eine eigene Abteilung für den Einkauf (nennt sich jetzt total modern "Purchasing Department") unterhält, den Lieferanten an die Kandare zu nehmen und die Kommunikation erschwert, erwarten, daß sie eine fehlende Auftragsbestätigung als das werten, was sie ist: eine nicht Annahme des Auftrages.

Liebe ThyssenKrupp,
hiermit bestelle ich zwei Panzer, ein Kampfschiff, ein paar Teile für Atomkraftwerke und noch ein wenig Kampfgas für zusammen netto €1,-. Bitte liefern Sie frei Haus. Der Auftrag gilt als angenommen.


Nachtrag II (28.11.)

Eine weitere Email. Ein etwas eindringlicher Tonfall. Gefolgt von einem weiteren Beispiel für lächerliche Signaturen:
Erwarten Sie mehr. / Expect more. [...]

Wie Sie wissen, können über das Internet versandte E-Mails unter fremdem Namen erstellt oder der Inhalt verändert werden. Aus diesem Grund sind unsere als E-Mail verschickten Nachrichten grundsätzlich keine rechtsverbindlichen Erklärungen. Der Inhalt dieser E-Mail samt Anlagen ist vertraulich und u. U. rechtlich geschützt. Der Inhalt ist ausschließlich an einen bestimmten Empfänger gerichtet. Eine Weitergabe, die Herstellung von Kopien oder der sonstige Gebrauch durch Nichtadressaten ist nicht erlaubt. Ich bitte daher jeden anderen Empfänger, der diese E-Mail versehentlich erhält, mich umgehend zu informieren und die Nachricht zu löschen.

As you are aware, messages sent by e-mail can be manipulated by third parties. For this reason our e-mail messages are generally not legally binding. This electronic message (including any attachments) contains confidential information and may be privileged or otherwise protected from disclosure. The information is intended to be for the use of the intended addressee only. Please be aware that any disclosure, copy, distribution or use of the contents of this message is prohibited. If you have received this e-mail in error please notify me immediately by reply e-mail and delete this message and any attachments from your system. Thank you for your cooperation.
Ich werde mal nicht so sein und erneut auf meine Antwort hinweisen...
Vielleicht sollte ich gleich auch mal die Gelegenheit nutzen und auf PGP hinweisen? Damit kann man nämlich sicherstellen, daß der Inhalt einer Email nicht verändert wurde und geheim halten kann ich den Inhalt auch. Ich frage mich schon, wie so ein internationaler Rüstungskonzern das ansonsten sicherstellen will, daß die Mächte des Bösen (wer auch immer dazu gerade zählen mag) nicht mitlesen. Die reine Nutzung eines Intranets wird wohl kaum als sicher anzusehen sein.

Mittwoch, 5. November 2014

Alles Käse

Nur für kurze Zeit! 1-2-3 Cheese!

Quelle: http://www.mcdonalds.de/produkte/1-2-3-cheese

Nur für kurze Zeit: schalten Sie das Hirn aus, öffnen Sie den Geldbeutel und Freßluke auf!

Worum geht es, wenn Sie Fast-Food (in einem Aktionszeitraum) kaufen?
  • niedriger Preis gegenüber dem Standardangebot
  • ein Schnäppchen durch "Großpackungen"
  • den Magen voll zu kriegen

Ein Cheeseburger des Aktionsangebotes besteht aus:
  • 1x Brötchen ("bun") oben und unten
  • 1x Fleischscheibe
  • 1x Käsescheibe
  • 1x Zwiebel-Gurken Matschepampe Dressing
  • 1.273 kJ
und kostet: € 1,- (Grundpreis pro 1.000 Kilojoule: € 0,79)

Ein Doppel-Cheeseburger besteht aus:
  • 1x Brötchen ("bun") oben und unten
  • 2x Fleischscheibe
  • 2x Käsescheibe
  • 1x Zwiebel-Gurken Matschepampe Dressing
  • 1.874 kJ 
und kostet: € 2,- (Grundpreis pro 1.000 Kilojoule: € 1,07)

Ein ("sagenhafter") Tripple-Cheeseburger besteht aus:
  • 1x Brötchen ("bun") oben und unten
  • 3x Fleischscheibe
  • 3x Käsescheibe
  • 1x Zwiebel-Gurken Matschepampe Dressing
  • 2.020 kJ (Grundpreis pro 1.000 Kilojoule: € 1,49)
und kostet: € 3,-


Wo liegt da für mich der Gewinn/Preisvorteil/Benefit/Sattmacher? Wenn ich drei einzelne Cheeseburger kaufe, lege ich drei Euro auf den schmierigen Tresen und bekomme:
  • 3x Brötchen ("bun") oben und unten
  • 3x Fleischscheibe
  • 3x Käsescheibe
  • 3x Zwiebel-Gurken Matschepampe Dressing
  • 3.819 kJ
Das sind 4 Teile und 1.799 kJ (fast noch ein extra Doppel-Cheeseburger) mehr zum gleichen Preis (Grundpreis pro 1.000 Kilojoule: € 0,79) wie ein Triple-Cheeseburger - sagenhaft, wozu Mathe aus der Grundschule doch noch mal gut ist. Will mich (oder die leichtgläubigen Klienten) da wer betrügen?

Illustration mit Material von http://www.mcdonalds.de/produkte/1-2-3-cheese
Echte Burger-Fans wissen übrigens, daß der einfache Cheeseburger normalerweise € 1,19 kostet. Da spare ich also wirklich etwas. Der McDouble (hm, lecker: guten Appetit) kostet aber regulär nur € 1,49. Gegenüber dem jetzt angebotenen "Doppel-Cheeseburger", der 61 Cent mehr kostet, unterscheidet er sich lediglich dadurch, daß nur eine Plastikkäsescheibe drauf liegt. Damit nicht clevere Kunden jetzt ihren Packen Schmelzkäse für 80 Cent aus dem Supermarkt mitbringen (Preis pro Scheibe: 8 Cent) und die Gewinnspanne von McDoof unterlaufen, wurde der McDouble kurzerhand während des Angebotszeitraums aus dem Sortiment geschmissen.

http://www.mcdonalds.de/produkte/produkt-profil?productName=mcdouble

Macht nicht's: Echte Feinschmecker (höhere Ikea-Fertigkeiten vorausgesetzt) hacken Ihren Burger nämlich sowieso.

Dienstag, 4. November 2014

Fußfessel 2.0

Aktivitätstracker erfreuen sich derzeit größter Beliebtheit und jede Trendsettingfirma will partizipieren. Die Dinger können alles (sogar die Uhrzeit anzeigen): Puls messen, Blutzucker, Schweißbildung (Hautwiderstand und Feuchtigkeit), GPS Koordinaten erfassen, Schritte zählen, Smartwatch-Funktionen, Beschleunigung, UV-Strahlung und und und.
Das alles macht natürlich keinen Spaß,wenn die Daten nicht peppig aufbereitet werden und man sie nicht mit anderen Vollidioten teilen kann. Also alles ab in die herstellereigene Cloud oder irgendeiner Webseite anvertrauen, die von irgendwem (interessiert es sie wirklich, wer dahinter steckt und wie dessen Datenschutzrichtlinien aussehen?) betrieben wird: sobald der Tracker eine Datenverbindung aufbauen kann, werden die gesammelten Daten gesendet.

Microsoft wirbt u. a. mit "Live healthier and be more productive." Lebe ich gesünder, nur weil ich so ein Ding am Arm trage?
Welches Ding bringt mehr Gesundheit: Baby oder Wearable?
Quelle: Werbevideo Microsoft, http://www.microsoft.com/microsoft-band/en-us



Wir lernen ja auch nicht, daß Daten einfach nicht in irgendeine Cloud gehören. In anderen Situationen müssen Gerichte darüber entscheiden, wenn jemandem eine elektronische Fußfessel angelegt werden soll, weil das zwar Freiraum bedeutet aber auch einen massiven Eingriff in die Privatsphäre darstellt. Endlich haben Technikfirmen es geschafft, daß Nerds und technikgeile Lemminge sich so ein Teil nicht nur freiwillig anlegen (und sich auch dem Diktat unterwerfen, täglich (!) den Akku zu laden - möglichst nachts, damit die Ruhephase nicht vom hochgearbeiteten Aktivitätskonto abgezogen wird), sondern sie tragen auch alle Kosten und kaufen sich das Teil selber.

Die Krankenkassen freut's weil sie so den Kunden maßgeschneidert zur Kasse bitten können: faul gewesen? keine Zuzahlung für Blutdrucksenker und Diabetes mellitus. Waghalsig die ungesicherte (GPS sei dank für diese Info) Skipiste runtergeheizt? Keine Übernahme der Folgekosten weil Sie bewußt ein Risiko eingegangen sind. Sie glauben nicht, daß die Kasse das weiß? Aber natürlich! Das sind Tochterunternehmen von den Cloudbetreibern. Wenn nicht jetzt, dann kaufen sie sich bald ein - ist nur eine Frage des Geldes und was mehr kostet: Leistung erbringen oder Daten kaufen.
Das gleiche mit der Versicherung: schnell gefahren? nicht stark genug gebremst und deshalb Unfall nicht vermieden? zu stark gebremst und deshalb Auffahrunfall verursacht? Trotz schnellem Puls und (Angst-) Schweiß gefahren? Und selbst wenn die Fremdfirmen nicht direkt auf diese Daten zugreifen, dann bieten sie einfach selber so ein ähnliches Teil an, locken mit lächerlich kleinen Rabatten und geben sich mit einem hippen Webauftritt als Wolf im Schafspelz aus.
Versicherungen sind Solidargemeinschaften: Wem's (jetzt) gut geht, zahlt für die, denen es schlechter geht. Weil es einen irgendwann immer selber erwischen wird.

Microsoft hat Recht: "be more productive" - Sie können wirklich (kaum) mehr produktiv für die Unternehmen sein.

Samstag, 1. November 2014

Egoist, Ich

Gestern pappte ein Zettel unter meinem Scheibenwischer:
So sehen Egoisten aus
Zuerst war ich enttäuscht, hatte ich doch auf die Telefonnummer einer hübschen Blondine samt Foto und zweideutigem Angebot gehofft.

Warum ich so einen Zettel bekomme ist nicht schwer zu erraten. Es ist der gleiche Grund, warum mich wildfremde Leute auf anderen Parkplätzen meinen anpflaumen zu müssen: der deutsche Ordnungssinn wird durch mich unterminiert. Ich parkte wie immer quer auf zwei Stellplätzen. Warum? Weil genügend Platz da ist. Ich würde es nicht machen, wenn Stellraum knapp ist (Und ich kann einparken. Ich habe in einer Großstadt gelernt, wo man es sich nicht überlegen kann, ob ich in eine Parklücke hineinpasse und wo ich auch nicht stundenlang den Verkehr beim Versuch blockieren kann oder wo mich die Nachbarin anruft, weil ihr 30 cm vorne und hinten beim ausparken nicht genügen.) Aber wie ich schon anderweitig äußerte: ich fahre ein großes Auto. Auf Autobahnen darf ich in Baustellen mittlerweile meistens nicht links fahren, sondern muß kilometerlang hinter den LKWs herzuckeln. Grund ist die RSA Teil D: Mindestbreite von Behelfsfahrstreifen. Ist ein Fahrstreifen nur noch 2,5 m breit, wird die Durchfahrtsbreite auf 2 m beschränkt. Seit dem irgend ein geldgeiler Verkehrsüberwacher dieser Tatsache vor ein paar Jahren bemerkt hat und, wird fleißig abkassiert. Laut ADAC sind rund 67 % der zugelassenen Fahrzeuge breiter als 2 m. Viele davon fahren trotzdem links - einfach verdientes Geld. Das drucken der Strafzettel dauert länger als das erfassen der Opfer. Vermutlich verpassen die Ordnungshüter sogar jeden zweiten Autofahrer, weil die zu dicht in den vollen Baustellen fahren, um alle Kennzeichen zu notieren.
Zurück zum Stellplatz: Diese sind nach einer total veralteten Norm (aus einer Zeit als Autos wie Isetta, Käfer oder Trabant den Straßenverkehr prägten) gerade mal in der Regel 2,3 m breit anzulegen. Da derjenige, der den Stellplatz gebaut hat meistens eine Mindestzahl an Plätzen einrichten muß, wird er sich natürlich hüten, breitere Plätze als notwendig anzulegen. Wir Deutschen haben dafür eine Verordnung, die in jedem Bundesland anders ist (gut, daß wir TTIP wollen und so was banales wie Parkplätze nicht einmal vereinfachen und vereinheitlichen können - "ein jeder kehr vor seiner eigenen Tür, da hat er Dreck genug dafür"...). Also: ich darf mit meinem Auto nicht eine Spur befahren, die 20 Zentimeter breiter ist als der Stellplatz, soll mich aber in eine Parklücke quetschen, die auf jeder Seite gerade einmal 8,5 mm (ja, Millimeter!) breiter (S. 36) als mein Fahrzeug ist? Mal abgesehen davon, daß sie sogar bis zu 23,2 cm zu kurz sein kann. OK, ich fahre in der Parklücke nicht 60 oder 80. Aber dafür will ich auf der Autobahn auch nicht die Tür aufmachen und aussteigen oder 'ne Getränkekiste reinstellen. Da trennt sich nämlich Otto-Kleinwagenfahrer von den großen Jungs: während ihr die Kiste hinten über die Ladekante wuchtet und dabei schon überlegt, wo ihr den Rest des Einkaufes nur unterbringen sollt, schiebe ich die Kiste an der Seite rein und überlege mir, wie ich den Einkauf auf der ganzen freien Fläche so hinstellen kann, daß er nicht hin und her rutsch. Also stelle ich mich quer auf zwei Stellplätze, so daß Platz bleibt, weil der nächste brave Deutsche sich nicht etwa an meinem Fahrzeug orientiert, wie er sich hinstellt, sondern an den Bodenmarkierungen. So kann ich (und die viel zu selten bei mir mitfahrende oben genannte Blondine) bequem ein- und aussteigen ohne die Tür dem Nachbarn in die Flanke zu hauen (und gehauen zu bekommen), kann meine Einkäufe verladen und kann auch noch in einem Zug aus der Lücke herausfahren.
Das eigentlich fast die meisten Autofahrer gern mehr Platz hätten, zeigt sich im Winter wenn es geschneit hat: dann sieht man die Striche am Boden nicht und die Leute parken nach Gefühl nebeneinander - mit viel größeren Abständen, als sonst - so wie es eben bequem ist und nicht, wie ein paar seelenlose Markierungsstreifen und selbsternannte Schulmeister es mir vorschreiben wollen.

Übrigens, wo ich den Zettel bekommen habe? Auf dem Parkplatz vom Sportcenter. Es ist vermutlich so, daß der anonyme Blockwart zu faul ist, ein paar Meter auf dem (wie gesagt: freien) Parkplatz zu laufen bevor er zu seinem indoor Laufband kommt.

















Samstag, 18. Oktober 2014

Kunde König

"Und, haben Sie alles bekommen?"

Es nervt gewaltig: NEIN!

Aber egal, was ich sage, was gerade fehlt:
  • Baumwolleinkaufstaschen ohne Aufdruck
  • 50 l Müllbeutel, billig (seit einem halben Jahr)
  • gleich viel Auswahl bei Männderdeos wie bei Frauen
  • Cola Zero ohne Koffeein
  • ...
Ich kriege es doch nicht. Also, was soll die Frage an der Kasse bei Kaufland und dm? Soll das Nähe zum Kunden vorgaukeln? Soll ich jetzt Lügen und des lieben Frieden Willens "Ja, danke" sagen? Oder jedes mal aufs Neue den Betrieb aufhalten, wenn die Kassenkraft dann meine Wünsche notiert? Vermutlich nur ein weiteres Beispiel dafür,wie der Kunde als Hilfskraft unauffällig im Handel eingebunden werden soll, weil das hauseigene Warenwirtschaftssystem grottenschlecht ist und Fehlbestände nicht selber erkennen und rechtzeitig gegensteuern kann - zumal vermutlich im Lager kein Platz ist, da bereits die Oster-Saisonartikel gebunkert werden, die Heiligabend in den Verkaufsraum gestellt werden sollen.

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Folter, Mord und Totschlag

In Deutschland regen sich derzeit alle darüber auf, daß deutsches Wachpersonal nicht besser ist als folternde US Soldaten. Dabei darf man sich fragen, ob das wirklich so überraschend ist. Immerhin wird die Bezahlung für einen Wachdienst bei einer typisch deutschen sozialstaatlichen Einrichtung, die vom Staat eher nicht gewollt ist, kaum mehr als das Mindestlohniveau erreichen und die rekrutierten Hilfssheriffe kommen wohl auch eher aus sozialen Rand- und Unterschichten. Über die Opfer und Entschädigung und Therapieangebote für diese spricht derweil keiner. Lösungen wie schnellere Verfahren, bessere Unterkünfte usw., um derartige Probleme in Zukunft zu vermeiden, will keiner anbieten - kostet Geld. Stattdessen wird der Ruf nach Wächtern laut, die die Wachleute überwachen und nach Problemgipfeln. In anderen Regionen regt sich unterdessen der Unmut von anderen ausländerfeindlich eingestellten Deutschen gegenüber ein paar weiteren Asylbewerbern, die unterzubringen sind. Angeblich weil man völlig überfordert sei, etwa 260 Menschen angemessen unterzubringen.Vielleicht sollte man sich einfach mal selber fragen, wie man gerne selber behandelt werden würde, wenn man auf der Flucht ist - warum auch immer.

Derweil sterben in einer anderen Region die Menschen, weil Ihnen medizinische Grundversorgung fehlt und die Vereinten Nationen viel zu spät reagierten und noch immer die restliche Welt nicht reagieren will. Was schert einen das Unheil weit weg. Möge es nur nicht zu uns kommen. Was es wohl kosten würde, ein paar vorhandene Notlazarette, Wasseraufbereitungsanlagen, Personal und Nahrung zu verladen? Alles Dinge, die im Überfluß allein in Deutschland vorhanden sind. Aber vermutlich schafft das unsere marode Bundeswehr einfach logistisch nicht. Ist schon wahnsinnig wichtig, ob so ein überteuerter Bomber in Friedenszeiten abheben kann oder nicht. Wieviele Menschen man retten könnte, wenn man einen Bomber weniger kauft oder repariert oder auch nur durch die Gegend fliegt (in zwei Stunden Flug jagt so eine Maschine an die 17.200 kg bzw. 22.051 l AvGas durch die Turbinen, das kostet dann schlappe 27.000 Euro ohne Steuern). Beim Eurofighter liegt der Preis pro Flugstunde bei 73.992 Euro. Beim Tornardo sind es 43.000 Euro pro Stunde. Davon kann man eine Menge Medizin kaufen - erst Recht für eine symptomatische Therapie.

Noch ein Land weiter bombardieren die westlichen Supermächte munter einen kleinen Wüstenstaat aus Hilfslosigkeit vor einem neuen, selbst erschaffenen Feind. Die Waffenlobby wird es freuen. Die Deutsche Wirtschaft auch. Immerhin verdienen deutsche Firmen gut am Krieg. Da ist es auch naheliegend, daß man lieber zerstört als aufbaut. Wie oft gibt es wohl Krieg in einer Region, der es wirtschaftlich gut geht, in der die Menschen mit Nahrung, Gesundheit und Bildung gut versorgt sind?  Das ist eher selten, denn man zerstört nicht seine eigene Lebensgrundlage. Schon mal in Ex-Jugoslawien gewesen? In den Touristenregionen gab es kaum Krieg, während sich die Menschen der weniger entwickelten Regionen gegenseitig umbrachten. Aber mit dem Export von Agrartechnik läßt sich nicht viel verdienen. Jedem Bürger seine Ziege, sein Gärtchen und ein Dach über den Kopf ist zwar billig, aber nicht wirtschaftlich. Bildung bekommen wir Deutschen schon im eigenen Land nicht hin, wie wollen wir die exportieren? Dabei dürften aufgeklärte Menschen viel weniger bereit sein, sich einer Terrorgruppe anzuschließen. Und mit der Gesundheitsversorgung steht es bei uns ja auch immer schlechter. Kaum Vorstellbar, wie wir da eine Grundversorgung in einem armen Land aufbauen sollen. Das wären ja auch alles langfristige Projekte. Das schafft man nicht in einer Legislaturperiode. Bomben werfen ist viel einfacher und bringt mehr mediale Aufmerksamkeit. Und wenn es dann später darum geht, die zerstörte Ölindustrie wieder aufzubauen, verdienen die Firmen aus den Ländern der Bündnispartner ein zweites mal, denn wer liefert wohl die Technik? Und wer bezahlt sie?

Also: freuen wir uns, daß unsere Regierung mit zu den Kriegstreibern zählt, die Wirtschaft boomt und wir weit weg vom Elend anderer sind. Schon Dominosteine und 'nen Adventskalender fürs christlichste Weihnachtsfest gekauft?