Freitag, 7. November 2014

Aus dem 1. Buch des Samuel, Kapitel 17 - hier die frei interpretierte Version

Heute bekam ich als Online-Shopbetreiber mal wieder eine Email, die mich fragen läßt, ob ich so engstirnig und eigensinnig bin oder ob die "großen" Firmen denken, daß sie mit den "kleinen" Firmen umspringen können, wie sie wollen.

Thyssen Krupp System Engineering schreibt mir: "als PDF-Datei angefügt, finden Sie unsere o.g. Bestellung."

Dem folgt ein Absatz darüber, was ein PDF ist und was ich damit machen soll. Vielleicht will ich das aber nicht? Immerhin ist es keine Word oder Excel Datei und so öffne ich den Anhang mal. Ich ahne zwar, was da drin steht, aber ich will mich ja auch mal amüsieren.

Es handelt sich um eine Bestellung von einem Stecker. Warenwert: € 4,16 netto.

Um diesen umfangreichen Auftrag ausführen zu können, muß ich nun folgendes machen:
  • mich durch 3 Seiten PDF für die Bestellung arbeiten
  • Ihre Auftragsbedingungen akzeptieren, als da wären:
    • Lieferbedingungen EXW Incoterms 2010 (was ist das? muß ich das wissen?)
    • Zahlungsbedingungen sofort nach Rechnungserhalt
    • Verpackung Neuruppin (soll ich jetzt Neuruppin verpacken?)
    • Dieser Bestellung unterliegen zusätzlich folgende, mitgeltende Unterlagen, die Sie auf unserer Internetseite unter www.thyssenkrupp-systemengineering.com, im Bereich "Einkauf"; "Downloads" in der gültigen Fassung finden:
      • Unsere Allgemeinen Einkaufsbedingungen (AEB) (1 DIN A4 Seite in Mikroschrift) (ich habe das mal verlinkt, laut PDF hätte ich da erst mal auf deren Webseite suchen dürfen). U. a. enthält dies:
        • Die Preise sind Festpreise. Sie schließen alles ein, was der Auftragnehmer zur Erfüllung seiner Lieferungs-/Leistungspflicht zu bewirken hat.
          Sprich: Ich drücke den Artikel dem Kurierdienst einfach in die Hand? Verpackungskosten fallen keine an.
        • Vom Auftragnehmer im Geschäftsverkehr mit dem Auftraggeber verwendete Unterlagen müssen mindestens aufweisen [...]
          Ich muß also ggf. noch meine Rechnungsvorlage anpassen.
        • Der Auftragnehmer willigt hiermit in Qualitätsaudits zur Beurteilung der Wirksamkeit seines Qualitätssicherungssystems durch den Auftraggeber oder einen von diesem Beauftragten ein.
          Wenn ThyssenKrupp also meint, die wollen ein Treffen dazu abhalten, dann darf ich meine Zeit und alles opfern, um mich mit denen an einen Tisch zu setzen.
        • Der Auftragnehmer ist nicht berechtigt, die Ausführung des jeweiligen Vertrages ganz oder teilweise auf Dritte zu übertragen.
          OK, ich darf also keine Dritten (Kurierdienst etc.) beauftragen. Kein Problem, ich liefere weltweit persönlich.
        • Die Begleichung der Rechung erfolgt am Ende des der Lieferung/Leistung sowie Rechnungseingangs folgenden Monats.
          Wie paßt das mit den o. g. Zahlungsbedingungen zusammen?
        • Entstehen dem Auftraggeber infolge mangelhafter Lieferung/Leistung Kosten, wie z.B. Transport-, Wege-, Arbeits-, Materialkosten, Vertragsstrafen so hat der Auftragnehmer diese Kosten zu tragen.
          Kein Ding: ThyssenKrupp geht pleite, die Heerscharen gutbezahlter Anwälte schieben das meinem Stecker in die Schuhe und ich darf bis ans Ende meines Lebens zahlen - verstehe ich voll.
        • Mängelansprüche verjähren in 36 Monaten.
          Jeder normale Kunde hat nur 6 Monate. Aber 3 Jahre ist auch kein Thema, ich verkaufe schließlich Qualität.
        • Der Auftragnehmer wird über alle betrieblichen Vorgänge, Einrichtungen, Anlagen, Unterlagen usw. bei dem Auftraggeber und seinen Kunden, die ihm im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit für den Auftraggeber bekannt werden, auch nach Abgabe der jeweiligen Angebote bzw. Erledigung des Vertrages Dritten gegenüber Stillschweigen bewahren.
          Ups.
      • unsere Richtlinie: Allgemeine Versandvorschriften (19 DIN A4 Seiten):
        • Sendungen < 30 kg, es ist der jeweils gültige KEP-Prozess (siehe Kapitel 3 „Versandabwicklung von Kleingutsendungen“) zu berücksichtigen.
          Der Stecker wiegt keine 100 Gramm, also muß ich wohl mal sehen, was da noch kommt.
        • Die Sendungen sind dem Dienstleister grundsätzlich Montag – Freitag in einer Kernzeit von 08:00 Uhr bis 18:00 Uhr bereitzustellen.
          Oh shit, da muß ich mal eben mit dem Paketdienst sprechen. Bei mir kommen die oft weit nach 20 Uhr (weil man sich kennt). Kein Problem, so ein großes Logistikunternehmen wie UPS geht da bestimmt auf meine Sonderwünsche ein.
        • Bei Abweichungen gegenüber den Versandvorschriften belastet ThyssenKrupp System Engineering für jeden schuldhaften Verstoß des Lieferanten gegen die vereinbarten Bedingungen die entstandenen Mehrkosten zzgl. den Prozesskosten zur Belastungserstellung weiter. Die Parteien vereinbaren hinsichtlich der Prozesskosten einen Stundensatz von 75,00 Euro für die Erstellung der Belastung.
          Fair ist fair. Wenn ich in den vielen Dokumenten irgendwas übersehe, weil ich ja nicht jeden Tag mit Thyssen Krupp als Partner zusammenarbeite und die quasi Beamten aus der Bestellabteilung seit 20 Jahren nichts anderes machen als ihren Job in festgefahrenen Bahnen, bin ich gerne bereit, den 18-fachen Einkaufswert pro Stunde zu bezahlen. Da muß ich ja nur noch ein paar andere Kunden finden, bis ich das wieder drin habe.
    • Alle Teile mit einem Gewicht von weniger als 30 kg sollen per UPS versendet werden.
      Ich nutzte zwar sonst einen anderen Dienstleister (Hermes) aber kein Problem. Ich suche erst mal die UPS Telefonnummer raus, ärgere mich dann in einer kostenpflichtigen Warteschleife bei weichgespülter Musik, akzeptiere dann deren Abholtermin irgendwann am nächsten Tag warte dann munter auf die, anstatt meinen etablierten Dienstleister zu nehmen, der kommt, wann wir das vereinbart haben, dessen Versandscheine ich automatisiert ausfüllen kann und dem ich vertraue.
    • Zur Klärung der Abwicklung des anzuliefernden Umfangs ist max. 2 Wochen vor der Auslieferung der Versand mit unserer Auftragsabwicklung abzustimmen. Bitte setzen Sie sich mit unserer Auftragsabwicklung in Verbindung [...].
      Mach ich doch immer. Wenn ein Kunde was bei mir bestellt, dann telefoniere ich dem so lange hinterher, bis ich ihn erreiche und kläre genau ab, wie Hermes (ach nee: UPS) die konspirative Übergabe handhaben wird - ist ganz kompliziert (Tür öffnen, lächeln, "Ja, ich will es haben" sagen, Name nennen, warten auf Scannen und Tippen, unterschreiben, Sendung entgegennehmen, "Tschüß", Tür schließen).
  • Diese Bestellung wurde maschinell erstellt und ist ohne Unterschrift gültig.
    Diese Satire ist humanistisch erstellt und viel gültiger.
  • Die Rechnung stellen wir zweifach aus.
    Wieso? Habt ihr einen Vertrag mit der Papierindustrie oder seit ihr im Wettbewerb um die Abholzung des Regenwaldes? Habt ihr keinen eigenen Fotokopierer? Oder ist das zu teuer? Wobei: da steht ja nur, wir stellen sie zweimal aus. Davon, daß wir sie dem Auftraggeber in zweifacher Ausfertigung zukommen lassen, steht da nichts. Also drucke ich sie zweimal aus und schmeiße eine Kopie direkt in den Schredder. Macht voll Sinn.
  • Eine Auftragsbestätigung soll ich auch noch (per Post) verschicken. Kostet also ca. 1 Euro für Porto, Umschlag etc. Mal abgesehen davon, daß ein Firmenstempel drauf soll. Habe ich nicht, braucht man nämlich nicht. Ist ein antiquiertes Denken aus Kaiser-Bismarck-Zeiten in denen viele Firmen und vor allem deren "Sachbearbeiter" noch immer feststecken.
Ich habe lange mit mir gerungen aber dann doch beschlossen: ich lehne (dankend) ab. Den Kunden verliere ich lieber, als daß ich ihn beliefere. Zumal ich gar nicht weiß, was er eigentlich bestellen will, denn der maschinelle Auftraggeber sah sich nicht in der Lage, meine Artikelbezeichnung aus meiner Webseite richtig zu kopieren (cut and paste ist wirklich schwierig):
STECKER
Herstellerteile-Nr. OBD-2 BUCHSENSTECKER / / OBD-2 BUCHSENS
Hersteller OBD2-SHOP.EU
Typ-Bezeichnung.........: OBD-2 BUCHSENSTECKER
Artikelnummer...........: OBD-2 BUCHSENSTECKER
Polzahl.................: 16
Anschl.Quers.1 max.(mm²): 1
Kontaktausführung.......: BUCHSE-M
Kontaktanschlussart.....: CRIMPEN
Nennstrom max........(A): 5
Kategorie...............: CONNECTOR
Aber selbst wenn ich es erraten könnte: Für € 4,16 verzichte ich auf den ganzen Aufwand. Man stelle sich nur mal vor, was das für ein Stundenlohn wird, wenn ich diese ganzen Pamphlete von denen erst einmal durcharbeiten muß. Und vermutlich sollte man das auch seinem Anwalt vorlegen. Schon alleine der Brief mit der Auftragsbestätigung frißt aber die Gewinnmarge auf. Es wäre für mich gewinnbringender, den Stecker einfach Thyssen Krupp zu schenken. Würde ich denken, daß irgendwer von den Sesselpupsern den Humor dahinter verstehen könnte, würde ich mir den Spaß sogar machen.

Da soll sich lieber einer meiner Mitbewerber die Finger dran verbrennen.

Wobei... ich glaube, ich habe gar keine Mitbewerber auf dem Gebiet.

Na egal: wenn Thyssen Krupp den Stecker will, können Sie ihn gerne bei mir im Online Shop kaufen. Das ist ganz einfach und geht schnell. Sie können per Vorkasse zahlen (viele Firmen behaupten zwar, das können sie nicht, das liegt aber nur daran, daß sie nicht wollen. Meistens wird die Schuld der Buchhaltung zugeschoben, die das nicht will, weil sie geistig eben irgendwo im 18. Jahrhundert stehen geblieben ist) oder per Nachnahme oder Rechnung. Dann muß keiner irgendwelche Bedingungen lesen, denn ich habe keine. Das geht nämlich! Man braucht keine AGB (ohne "s"!). Dann gilt das BGB. Das ist viel kundenfreundlicher.

Also will ich lieb sein und den Absender der Email über meinen Entschluß informieren. Dazu gibt es die praktische Reply- (oder "Antworten") Funktion. Dumm nur, daß ich lesen muß:
Dies ist eine automatisch generierte E-Mail. Die Absenderadresse kann nicht genutzt werden.
Das macht Sinn. Vor allem, wenn davor noch dieser weit verbreitete Blödsinn steht:
Sollten Sie diese Nachricht irrtümlich erhalten haben, bitten wir Sie, sich mit dem Absender in Verbindung zu setzen.

Wer nun glaubt, all das sei ein Einzelfall, der irrt gewaltig.


Nachtrag I (17.11.)

Heute landet im Posteingang eine weitere Email der ThyssenKrupp System Engineering GmbH. Darin enthalten eine zweiseitige Mahnung "als PDF-Datei angefügt finden Sie eine Aufstellung von fehlenden Auftragsbestätigungen zu Bestellungen".
Bitte beachten Sie, dass bei fehlender Auftragsbestätigung unser Auftrag und die in unserer Bestellung vorgegebenen Liefertermine als angenommen verstanden werden [...]
Das nennen ich mal eine verwegene Annahme. Also ich schicke jemanden wildfremden einen Auftrag mit völlig inakzeptablen Bedingungen und gehe dann davon aus, daß dieser angenommen wird, auch wenn der andere dies nicht bestätigt (zumal er dies ja auch gar nicht mit verhältnismäßigem Aufwand ablehnen kann, da die Email Adresse des Absenders ja nicht funktioniert, was sich vermutlich bei einer rechtlichen Prüfung zumindest als fragwürdig herausstellen dürfte).
Soll ich da reagieren? Auf meine Emails haben sie ja auch nicht reagiert. Andererseits könnte man von einer Firma, die derartig viel Aufwand betreibt und eine eigene Abteilung für den Einkauf (nennt sich jetzt total modern "Purchasing Department") unterhält, den Lieferanten an die Kandare zu nehmen und die Kommunikation erschwert, erwarten, daß sie eine fehlende Auftragsbestätigung als das werten, was sie ist: eine nicht Annahme des Auftrages.

Liebe ThyssenKrupp,
hiermit bestelle ich zwei Panzer, ein Kampfschiff, ein paar Teile für Atomkraftwerke und noch ein wenig Kampfgas für zusammen netto €1,-. Bitte liefern Sie frei Haus. Der Auftrag gilt als angenommen.


Nachtrag II (28.11.)

Eine weitere Email. Ein etwas eindringlicher Tonfall. Gefolgt von einem weiteren Beispiel für lächerliche Signaturen:
Erwarten Sie mehr. / Expect more. [...]

Wie Sie wissen, können über das Internet versandte E-Mails unter fremdem Namen erstellt oder der Inhalt verändert werden. Aus diesem Grund sind unsere als E-Mail verschickten Nachrichten grundsätzlich keine rechtsverbindlichen Erklärungen. Der Inhalt dieser E-Mail samt Anlagen ist vertraulich und u. U. rechtlich geschützt. Der Inhalt ist ausschließlich an einen bestimmten Empfänger gerichtet. Eine Weitergabe, die Herstellung von Kopien oder der sonstige Gebrauch durch Nichtadressaten ist nicht erlaubt. Ich bitte daher jeden anderen Empfänger, der diese E-Mail versehentlich erhält, mich umgehend zu informieren und die Nachricht zu löschen.

As you are aware, messages sent by e-mail can be manipulated by third parties. For this reason our e-mail messages are generally not legally binding. This electronic message (including any attachments) contains confidential information and may be privileged or otherwise protected from disclosure. The information is intended to be for the use of the intended addressee only. Please be aware that any disclosure, copy, distribution or use of the contents of this message is prohibited. If you have received this e-mail in error please notify me immediately by reply e-mail and delete this message and any attachments from your system. Thank you for your cooperation.
Ich werde mal nicht so sein und erneut auf meine Antwort hinweisen...
Vielleicht sollte ich gleich auch mal die Gelegenheit nutzen und auf PGP hinweisen? Damit kann man nämlich sicherstellen, daß der Inhalt einer Email nicht verändert wurde und geheim halten kann ich den Inhalt auch. Ich frage mich schon, wie so ein internationaler Rüstungskonzern das ansonsten sicherstellen will, daß die Mächte des Bösen (wer auch immer dazu gerade zählen mag) nicht mitlesen. Die reine Nutzung eines Intranets wird wohl kaum als sicher anzusehen sein.

Mittwoch, 5. November 2014

Alles Käse

Nur für kurze Zeit! 1-2-3 Cheese!

Quelle: http://www.mcdonalds.de/produkte/1-2-3-cheese

Nur für kurze Zeit: schalten Sie das Hirn aus, öffnen Sie den Geldbeutel und Freßluke auf!

Worum geht es, wenn Sie Fast-Food (in einem Aktionszeitraum) kaufen?
  • niedriger Preis gegenüber dem Standardangebot
  • ein Schnäppchen durch "Großpackungen"
  • den Magen voll zu kriegen

Ein Cheeseburger des Aktionsangebotes besteht aus:
  • 1x Brötchen ("bun") oben und unten
  • 1x Fleischscheibe
  • 1x Käsescheibe
  • 1x Zwiebel-Gurken Matschepampe Dressing
  • 1.273 kJ
und kostet: € 1,- (Grundpreis pro 1.000 Kilojoule: € 0,79)

Ein Doppel-Cheeseburger besteht aus:
  • 1x Brötchen ("bun") oben und unten
  • 2x Fleischscheibe
  • 2x Käsescheibe
  • 1x Zwiebel-Gurken Matschepampe Dressing
  • 1.874 kJ 
und kostet: € 2,- (Grundpreis pro 1.000 Kilojoule: € 1,07)

Ein ("sagenhafter") Tripple-Cheeseburger besteht aus:
  • 1x Brötchen ("bun") oben und unten
  • 3x Fleischscheibe
  • 3x Käsescheibe
  • 1x Zwiebel-Gurken Matschepampe Dressing
  • 2.020 kJ (Grundpreis pro 1.000 Kilojoule: € 1,49)
und kostet: € 3,-


Wo liegt da für mich der Gewinn/Preisvorteil/Benefit/Sattmacher? Wenn ich drei einzelne Cheeseburger kaufe, lege ich drei Euro auf den schmierigen Tresen und bekomme:
  • 3x Brötchen ("bun") oben und unten
  • 3x Fleischscheibe
  • 3x Käsescheibe
  • 3x Zwiebel-Gurken Matschepampe Dressing
  • 3.819 kJ
Das sind 4 Teile und 1.799 kJ (fast noch ein extra Doppel-Cheeseburger) mehr zum gleichen Preis (Grundpreis pro 1.000 Kilojoule: € 0,79) wie ein Triple-Cheeseburger - sagenhaft, wozu Mathe aus der Grundschule doch noch mal gut ist. Will mich (oder die leichtgläubigen Klienten) da wer betrügen?

Illustration mit Material von http://www.mcdonalds.de/produkte/1-2-3-cheese
Echte Burger-Fans wissen übrigens, daß der einfache Cheeseburger normalerweise € 1,19 kostet. Da spare ich also wirklich etwas. Der McDouble (hm, lecker: guten Appetit) kostet aber regulär nur € 1,49. Gegenüber dem jetzt angebotenen "Doppel-Cheeseburger", der 61 Cent mehr kostet, unterscheidet er sich lediglich dadurch, daß nur eine Plastikkäsescheibe drauf liegt. Damit nicht clevere Kunden jetzt ihren Packen Schmelzkäse für 80 Cent aus dem Supermarkt mitbringen (Preis pro Scheibe: 8 Cent) und die Gewinnspanne von McDoof unterlaufen, wurde der McDouble kurzerhand während des Angebotszeitraums aus dem Sortiment geschmissen.

http://www.mcdonalds.de/produkte/produkt-profil?productName=mcdouble

Macht nicht's: Echte Feinschmecker (höhere Ikea-Fertigkeiten vorausgesetzt) hacken Ihren Burger nämlich sowieso.

Dienstag, 4. November 2014

Fußfessel 2.0

Aktivitätstracker erfreuen sich derzeit größter Beliebtheit und jede Trendsettingfirma will partizipieren. Die Dinger können alles (sogar die Uhrzeit anzeigen): Puls messen, Blutzucker, Schweißbildung (Hautwiderstand und Feuchtigkeit), GPS Koordinaten erfassen, Schritte zählen, Smartwatch-Funktionen, Beschleunigung, UV-Strahlung und und und.
Das alles macht natürlich keinen Spaß,wenn die Daten nicht peppig aufbereitet werden und man sie nicht mit anderen Vollidioten teilen kann. Also alles ab in die herstellereigene Cloud oder irgendeiner Webseite anvertrauen, die von irgendwem (interessiert es sie wirklich, wer dahinter steckt und wie dessen Datenschutzrichtlinien aussehen?) betrieben wird: sobald der Tracker eine Datenverbindung aufbauen kann, werden die gesammelten Daten gesendet.

Microsoft wirbt u. a. mit "Live healthier and be more productive." Lebe ich gesünder, nur weil ich so ein Ding am Arm trage?
Welches Ding bringt mehr Gesundheit: Baby oder Wearable?
Quelle: Werbevideo Microsoft, http://www.microsoft.com/microsoft-band/en-us



Wir lernen ja auch nicht, daß Daten einfach nicht in irgendeine Cloud gehören. In anderen Situationen müssen Gerichte darüber entscheiden, wenn jemandem eine elektronische Fußfessel angelegt werden soll, weil das zwar Freiraum bedeutet aber auch einen massiven Eingriff in die Privatsphäre darstellt. Endlich haben Technikfirmen es geschafft, daß Nerds und technikgeile Lemminge sich so ein Teil nicht nur freiwillig anlegen (und sich auch dem Diktat unterwerfen, täglich (!) den Akku zu laden - möglichst nachts, damit die Ruhephase nicht vom hochgearbeiteten Aktivitätskonto abgezogen wird), sondern sie tragen auch alle Kosten und kaufen sich das Teil selber.

Die Krankenkassen freut's weil sie so den Kunden maßgeschneidert zur Kasse bitten können: faul gewesen? keine Zuzahlung für Blutdrucksenker und Diabetes mellitus. Waghalsig die ungesicherte (GPS sei dank für diese Info) Skipiste runtergeheizt? Keine Übernahme der Folgekosten weil Sie bewußt ein Risiko eingegangen sind. Sie glauben nicht, daß die Kasse das weiß? Aber natürlich! Das sind Tochterunternehmen von den Cloudbetreibern. Wenn nicht jetzt, dann kaufen sie sich bald ein - ist nur eine Frage des Geldes und was mehr kostet: Leistung erbringen oder Daten kaufen.
Das gleiche mit der Versicherung: schnell gefahren? nicht stark genug gebremst und deshalb Unfall nicht vermieden? zu stark gebremst und deshalb Auffahrunfall verursacht? Trotz schnellem Puls und (Angst-) Schweiß gefahren? Und selbst wenn die Fremdfirmen nicht direkt auf diese Daten zugreifen, dann bieten sie einfach selber so ein ähnliches Teil an, locken mit lächerlich kleinen Rabatten und geben sich mit einem hippen Webauftritt als Wolf im Schafspelz aus.
Versicherungen sind Solidargemeinschaften: Wem's (jetzt) gut geht, zahlt für die, denen es schlechter geht. Weil es einen irgendwann immer selber erwischen wird.

Microsoft hat Recht: "be more productive" - Sie können wirklich (kaum) mehr produktiv für die Unternehmen sein.

Samstag, 1. November 2014

Egoist, Ich

Gestern pappte ein Zettel unter meinem Scheibenwischer:
So sehen Egoisten aus
Zuerst war ich enttäuscht, hatte ich doch auf die Telefonnummer einer hübschen Blondine samt Foto und zweideutigem Angebot gehofft.

Warum ich so einen Zettel bekomme ist nicht schwer zu erraten. Es ist der gleiche Grund, warum mich wildfremde Leute auf anderen Parkplätzen meinen anpflaumen zu müssen: der deutsche Ordnungssinn wird durch mich unterminiert. Ich parkte wie immer quer auf zwei Stellplätzen. Warum? Weil genügend Platz da ist. Ich würde es nicht machen, wenn Stellraum knapp ist (Und ich kann einparken. Ich habe in einer Großstadt gelernt, wo man es sich nicht überlegen kann, ob ich in eine Parklücke hineinpasse und wo ich auch nicht stundenlang den Verkehr beim Versuch blockieren kann oder wo mich die Nachbarin anruft, weil ihr 30 cm vorne und hinten beim ausparken nicht genügen.) Aber wie ich schon anderweitig äußerte: ich fahre ein großes Auto. Auf Autobahnen darf ich in Baustellen mittlerweile meistens nicht links fahren, sondern muß kilometerlang hinter den LKWs herzuckeln. Grund ist die RSA Teil D: Mindestbreite von Behelfsfahrstreifen. Ist ein Fahrstreifen nur noch 2,5 m breit, wird die Durchfahrtsbreite auf 2 m beschränkt. Seit dem irgend ein geldgeiler Verkehrsüberwacher dieser Tatsache vor ein paar Jahren bemerkt hat und, wird fleißig abkassiert. Laut ADAC sind rund 67 % der zugelassenen Fahrzeuge breiter als 2 m. Viele davon fahren trotzdem links - einfach verdientes Geld. Das drucken der Strafzettel dauert länger als das erfassen der Opfer. Vermutlich verpassen die Ordnungshüter sogar jeden zweiten Autofahrer, weil die zu dicht in den vollen Baustellen fahren, um alle Kennzeichen zu notieren.
Zurück zum Stellplatz: Diese sind nach einer total veralteten Norm (aus einer Zeit als Autos wie Isetta, Käfer oder Trabant den Straßenverkehr prägten) gerade mal in der Regel 2,3 m breit anzulegen. Da derjenige, der den Stellplatz gebaut hat meistens eine Mindestzahl an Plätzen einrichten muß, wird er sich natürlich hüten, breitere Plätze als notwendig anzulegen. Wir Deutschen haben dafür eine Verordnung, die in jedem Bundesland anders ist (gut, daß wir TTIP wollen und so was banales wie Parkplätze nicht einmal vereinfachen und vereinheitlichen können - "ein jeder kehr vor seiner eigenen Tür, da hat er Dreck genug dafür"...). Also: ich darf mit meinem Auto nicht eine Spur befahren, die 20 Zentimeter breiter ist als der Stellplatz, soll mich aber in eine Parklücke quetschen, die auf jeder Seite gerade einmal 8,5 mm (ja, Millimeter!) breiter (S. 36) als mein Fahrzeug ist? Mal abgesehen davon, daß sie sogar bis zu 23,2 cm zu kurz sein kann. OK, ich fahre in der Parklücke nicht 60 oder 80. Aber dafür will ich auf der Autobahn auch nicht die Tür aufmachen und aussteigen oder 'ne Getränkekiste reinstellen. Da trennt sich nämlich Otto-Kleinwagenfahrer von den großen Jungs: während ihr die Kiste hinten über die Ladekante wuchtet und dabei schon überlegt, wo ihr den Rest des Einkaufes nur unterbringen sollt, schiebe ich die Kiste an der Seite rein und überlege mir, wie ich den Einkauf auf der ganzen freien Fläche so hinstellen kann, daß er nicht hin und her rutsch. Also stelle ich mich quer auf zwei Stellplätze, so daß Platz bleibt, weil der nächste brave Deutsche sich nicht etwa an meinem Fahrzeug orientiert, wie er sich hinstellt, sondern an den Bodenmarkierungen. So kann ich (und die viel zu selten bei mir mitfahrende oben genannte Blondine) bequem ein- und aussteigen ohne die Tür dem Nachbarn in die Flanke zu hauen (und gehauen zu bekommen), kann meine Einkäufe verladen und kann auch noch in einem Zug aus der Lücke herausfahren.
Das eigentlich fast die meisten Autofahrer gern mehr Platz hätten, zeigt sich im Winter wenn es geschneit hat: dann sieht man die Striche am Boden nicht und die Leute parken nach Gefühl nebeneinander - mit viel größeren Abständen, als sonst - so wie es eben bequem ist und nicht, wie ein paar seelenlose Markierungsstreifen und selbsternannte Schulmeister es mir vorschreiben wollen.

Übrigens, wo ich den Zettel bekommen habe? Auf dem Parkplatz vom Sportcenter. Es ist vermutlich so, daß der anonyme Blockwart zu faul ist, ein paar Meter auf dem (wie gesagt: freien) Parkplatz zu laufen bevor er zu seinem indoor Laufband kommt.

















Samstag, 18. Oktober 2014

Kunde König

"Und, haben Sie alles bekommen?"

Es nervt gewaltig: NEIN!

Aber egal, was ich sage, was gerade fehlt:
  • Baumwolleinkaufstaschen ohne Aufdruck
  • 50 l Müllbeutel, billig (seit einem halben Jahr)
  • gleich viel Auswahl bei Männderdeos wie bei Frauen
  • Cola Zero ohne Koffeein
  • ...
Ich kriege es doch nicht. Also, was soll die Frage an der Kasse bei Kaufland und dm? Soll das Nähe zum Kunden vorgaukeln? Soll ich jetzt Lügen und des lieben Frieden Willens "Ja, danke" sagen? Oder jedes mal aufs Neue den Betrieb aufhalten, wenn die Kassenkraft dann meine Wünsche notiert? Vermutlich nur ein weiteres Beispiel dafür,wie der Kunde als Hilfskraft unauffällig im Handel eingebunden werden soll, weil das hauseigene Warenwirtschaftssystem grottenschlecht ist und Fehlbestände nicht selber erkennen und rechtzeitig gegensteuern kann - zumal vermutlich im Lager kein Platz ist, da bereits die Oster-Saisonartikel gebunkert werden, die Heiligabend in den Verkaufsraum gestellt werden sollen.

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Folter, Mord und Totschlag

In Deutschland regen sich derzeit alle darüber auf, daß deutsches Wachpersonal nicht besser ist als folternde US Soldaten. Dabei darf man sich fragen, ob das wirklich so überraschend ist. Immerhin wird die Bezahlung für einen Wachdienst bei einer typisch deutschen sozialstaatlichen Einrichtung, die vom Staat eher nicht gewollt ist, kaum mehr als das Mindestlohniveau erreichen und die rekrutierten Hilfssheriffe kommen wohl auch eher aus sozialen Rand- und Unterschichten. Über die Opfer und Entschädigung und Therapieangebote für diese spricht derweil keiner. Lösungen wie schnellere Verfahren, bessere Unterkünfte usw., um derartige Probleme in Zukunft zu vermeiden, will keiner anbieten - kostet Geld. Stattdessen wird der Ruf nach Wächtern laut, die die Wachleute überwachen und nach Problemgipfeln. In anderen Regionen regt sich unterdessen der Unmut von anderen ausländerfeindlich eingestellten Deutschen gegenüber ein paar weiteren Asylbewerbern, die unterzubringen sind. Angeblich weil man völlig überfordert sei, etwa 260 Menschen angemessen unterzubringen.Vielleicht sollte man sich einfach mal selber fragen, wie man gerne selber behandelt werden würde, wenn man auf der Flucht ist - warum auch immer.

Derweil sterben in einer anderen Region die Menschen, weil Ihnen medizinische Grundversorgung fehlt und die Vereinten Nationen viel zu spät reagierten und noch immer die restliche Welt nicht reagieren will. Was schert einen das Unheil weit weg. Möge es nur nicht zu uns kommen. Was es wohl kosten würde, ein paar vorhandene Notlazarette, Wasseraufbereitungsanlagen, Personal und Nahrung zu verladen? Alles Dinge, die im Überfluß allein in Deutschland vorhanden sind. Aber vermutlich schafft das unsere marode Bundeswehr einfach logistisch nicht. Ist schon wahnsinnig wichtig, ob so ein überteuerter Bomber in Friedenszeiten abheben kann oder nicht. Wieviele Menschen man retten könnte, wenn man einen Bomber weniger kauft oder repariert oder auch nur durch die Gegend fliegt (in zwei Stunden Flug jagt so eine Maschine an die 17.200 kg bzw. 22.051 l AvGas durch die Turbinen, das kostet dann schlappe 27.000 Euro ohne Steuern). Beim Eurofighter liegt der Preis pro Flugstunde bei 73.992 Euro. Beim Tornardo sind es 43.000 Euro pro Stunde. Davon kann man eine Menge Medizin kaufen - erst Recht für eine symptomatische Therapie.

Noch ein Land weiter bombardieren die westlichen Supermächte munter einen kleinen Wüstenstaat aus Hilfslosigkeit vor einem neuen, selbst erschaffenen Feind. Die Waffenlobby wird es freuen. Die Deutsche Wirtschaft auch. Immerhin verdienen deutsche Firmen gut am Krieg. Da ist es auch naheliegend, daß man lieber zerstört als aufbaut. Wie oft gibt es wohl Krieg in einer Region, der es wirtschaftlich gut geht, in der die Menschen mit Nahrung, Gesundheit und Bildung gut versorgt sind?  Das ist eher selten, denn man zerstört nicht seine eigene Lebensgrundlage. Schon mal in Ex-Jugoslawien gewesen? In den Touristenregionen gab es kaum Krieg, während sich die Menschen der weniger entwickelten Regionen gegenseitig umbrachten. Aber mit dem Export von Agrartechnik läßt sich nicht viel verdienen. Jedem Bürger seine Ziege, sein Gärtchen und ein Dach über den Kopf ist zwar billig, aber nicht wirtschaftlich. Bildung bekommen wir Deutschen schon im eigenen Land nicht hin, wie wollen wir die exportieren? Dabei dürften aufgeklärte Menschen viel weniger bereit sein, sich einer Terrorgruppe anzuschließen. Und mit der Gesundheitsversorgung steht es bei uns ja auch immer schlechter. Kaum Vorstellbar, wie wir da eine Grundversorgung in einem armen Land aufbauen sollen. Das wären ja auch alles langfristige Projekte. Das schafft man nicht in einer Legislaturperiode. Bomben werfen ist viel einfacher und bringt mehr mediale Aufmerksamkeit. Und wenn es dann später darum geht, die zerstörte Ölindustrie wieder aufzubauen, verdienen die Firmen aus den Ländern der Bündnispartner ein zweites mal, denn wer liefert wohl die Technik? Und wer bezahlt sie?

Also: freuen wir uns, daß unsere Regierung mit zu den Kriegstreibern zählt, die Wirtschaft boomt und wir weit weg vom Elend anderer sind. Schon Dominosteine und 'nen Adventskalender fürs christlichste Weihnachtsfest gekauft?

Dienstag, 2. September 2014

Fünf-Jahresplan nicht erfüllt

Knöllchen bringen zu wenig Geld.
Die Politessen in Neuruppin verteilen weniger Knöllchen als geplant. Die Stadt hat im vergangenen Jahr deutlich weniger Strafgelder kassiert als geplant war. Und auch 2014 muss Neuruppin wohl auf Einnahmen verzichten. Die Belastung für die Bürger sei schon groß genug, so Golde. Da müsse der Ärger der Neuruppiner nicht noch durch Strafzettel verstärkt werden.
Quelle: http://www.maz-online.de/Lokales/Ostprignitz-Ruppin/Knoellchen-bringen-zu-wenig-Geld
Oh danke lieber Bürgermeister. Es liegt also allein im Ermessen der Verwaltung, wieviel sie kassiert. Der Bürger kann noch so korrekt parken - es wird so lange abkassiert, wie es gebraucht wird. Sind Strafzettel nicht eigentlich dazu da, den unvernünftigen Bürger zu Maßregeln auf das er sich bessere? Wenn Sie zu wenig Geld haben, dann ändern Sie Ihre Politik. Wenn der Bürger sich ganz im Sinne der angewendeten Rechtsmittel bessert und weniger zum Haushalt beiträgt, dann dürfen Sie sich das nicht als Wohltat auf die Fahne schreiben - sondern auf die Lernfähigkeit der Autofahrer. Vielleicht könnten die unterbeschäftigten Politessen (die ja im Grunde nur Hilfsarbeiter des Ordnungsamtes sind) ja auch einfach mal andere Verkehrsteilnehmer schröpfen? Wie wäre es mit Fahrradfahrern, die auf dem Gehweg (und in falscher Richtung) unterwegs sind? Oder auf den von Hunden vollgeschissenen Grünflächen.

Aber was wir alle schon immer im tiefsten Inneren wußten: Das ganze dient nur die Finanzierung eines maroden Stadthaushaltes - für den Politiker verantwortlich sind. Und beim Autofahrer ist das Blutsaugen einfach: Er hat per Definition Geld, ist aufgrund des Kennzeichens auch jederzeit auffindbar (und der Handlanger bleibt gemütlich anonym, da der Kontakt zum Bürger nicht notwendig ist) und die Rechtslage ist so schön einfach und finanziell lukrativ.
Da passen Geschwindigkeitskontrollen prima in das Bild der behördlichen Wegelagerei - erst Recht, wenn dafür extra Flächen geschaffen werden (wie z. B. neben der A24 an der Baustelle der B167), damit die Büttel sich gut im Unterholz tarnen und verschanzen können. Das haben einige der Schergen ja schon zu DDR-Zeiten gelernt, als mit künstlich geschaffenem natürlichen Sichtschutz die Transitreisenden abgezockt wurden. Geschichte wiederholt sich.
Wie wäre es mit einem neuen Gedankenspiel: Abschaffung oder Reduzierung der Amtsdiener, mehr freie Parkplätze zur Förderung der lokalen Wirtschaft (die nicht über mehrere Hektar betonierter Parkplatzfläche wie am Reiz verfügt) und zum Wohlbefinden der Anwohner (die dann vielleicht auch den ganzen maroden Leerstand interessanter finden). Das spart Geld und bringt viel neues Geld (Mehrwertsteuer für den Staat, Einkommenssteuer, Gewerbesteuer, Grundsteuer usw. für die Stadt). Geld, welches vom Bürger unbemerkt kommt und ihn deswegen auch nicht verärgert. Und dann dürfen sie auch wirklich behaupten, daß sie etwas für den Bürger und sein Wohlergehen tun.

Aber bitte, lieber Bürgermeister und lieber Stadtverwaltung: stellt Euch nicht als Wohltäter hin, nur weil die Finanzen nicht wie erträumt sprudeln.


Sonntag, 10. August 2014

Das große Neuruppiner Verkehrsquiz

Wer in Neuruppin unterwegs ist, sollte sich im Schilderwald und Vorschriftendickicht auskennen. Einheimische haben da manchmal so ihre Defizite. Wer will, kann sich hier testen.

Es gilt die Situation und Gesetzeslage zum Zeitpunkt der Aufnahme im August 2014

Die Lösungen sind zusammen mit einem Diskussionsforum auf einer anderen Webseite zu finden.


Frage 1


Ein Fahrzeug will nach links abbiegen. Wo muß es sich hier einordnen?

[A]
[B]


Frage 2


Ein Fahrzeug will links abbiegen. Wo kann es sich einordnen (warten)?

[A]
[B]


Frage 3


Wo darf man hier mit einem PKW jederzeit und unbegrenzt parken?

[A]
[B]


Frage 4


Welches Schild ist überflüssig und nur "Schilderwald" (Schildbeschriftung: 06-18h)?

[A]
[B]
[C]


Frage 5


Wo darf man hier nachts (von 18-6 Uhr) parken (Schildbeschriftung: 06-18h)?

[A]
[B]
[C]


Frage 6



Sie wollen links abbiegen. Die Ampel zeigt Rot. Wo bleiben Sie stehen, um zu warten?

[A]
[B]


Frage 7


Wer hat Vorfahrt?

[A]
[B]


Frage 8


Wo darf man hier tagsüber (von 6-18 Uhr) parken (Schildbeschriftung: 06-18h)?

[A]
[B]
[C]


... Fortsetzung folgt


Samstag, 9. August 2014

Zum Streit gehören immer zwei

"Amazon setzt den Buchhandel unter Druck."
"Es tobt ein Streit zwischen Amazon und Verlagen um E-Book-Preise. Der Versand-Gigant will weniger für E-Books zahlen. Um Druck zu machen, verzögert er die Auslieferung von Büchern." (Video)

Na klar versucht Amazon das. Dazu ist man marktbeherrschender Globalplayer.

Bild:Wikipedia
Aber es gehören zwei zu dem Spiel. Wieso lassen sich die Verlage unter Druck setzen? Amazon hat (noch) kein Monopol. Es gibt genügend und bessere Alternativen. Allein schon, um dem Datenkraken Amazon aus dem Weg zu gehen, sollte man beim lokalen Buchhändler oder einem alternativen Online-Shop kaufen (z. B. buch.de, buecher.de oder thalia.de). Ich schaue bei Amazon gerne mal in die Rezensionen oder "Blick ins Buch" und kaufe dann woanders. Bücher kosten in Deutschland überall genau gleich viel. Und der Versand ist bei allen Shops kostenlos, da sie so den Rabatt, den sie offiziell nicht auf den Buchpreis gewähren dürfen, doch einräumen können.

Warum lassen sich die Verlage also so unter Druck setzen? Vor Amazon-Zeiten haben sie doch auch ihre Werke verkauft. Wenn Amazon zu hohe Rabatte haben will oder die Vorbestellungen verweigert oder die Lieferzeit verzögert oder hohe Nebenkosten verursacht, um im Streit gegen Verdi mehr Macht zu haben, dann kündige ich als Verlag meinen Vertrag mit denen oder spiele das gleiche Lieferzeitenspiel oder räume anderen Händler mehr Rabatt ein. Es ist ja nicht so, daß ein Verlag keine anderen Vertriebswege hat. Sicher kommen heute viele Kunden über Amazon aber wenn man den Pakt mit dem Teufel aus Habgier eingegangen ist, heißt das nicht, daß man sich nicht umentscheiden kann. Und wenn ich als Verlag einen Bestseller (oder ein anderes renommiertes Werk wie zum Beispiel die Beck-Texte bei dtv, die sich ebenfalls aufregen) im Programm habe, dann wird der auch verkauft werden, wenn er nicht bei Amazon zu finden ist.
Natürlich wird es ein paar Gewinneinbußen geben. Aber die Verlage haben schon vor Amazon ge- und überlebt. Sie werden es auch ohne Amazon (hoffentlich) weiter können - erst Recht, wenn sie ihre Muskeln spielen lassen und sich wehren.

Leichter gesagt als getan? Ich selbst vertreibe auch Produkte. Ich nutzte dazu weder ebay noch Amazon und trotzdem finden die Kunden zu mir. Vielleicht könnte ich mehr auf deren Handelsplattformen verkaufen. Aber soll ich deshalb auch mein Gewissen verkaufen (und mich z. B. zwingen lassen, daß unsichere PayPal anzubieten oder zu garantieren, daß meine Produkte nirgends billiger zu finden sind)?

Es genügt doch schon, wenn der Staat sich erpressen läßt. Mit dem Versprechen auf Arbeitsplätze. Es werden Gewerbeflächen freigegeben, Sonderrechte erteilt, Fördergelder rausgeschmissen. Und dafür verzichtet der Saat auf Steuereinnahmen usw.
Bild: Michael Schmalenstroer




Donnerstag, 10. April 2014

Auf den Spuren der Holländer

Heute habe ich im Supermarkt 4 Kilo schnittfestes Wasser gekauft. Auf dem Etikett stand zwar, daß es sich um Erdbeeren aus Spanien handeln soll, doch ein Geschmackstest ließ das nicht erahnen. Ich war froh, daß ich eigentlich Marmelade kochen wollte. So konnte ich die wenigen schönen Exemplare aussortieren, um sie später à la nature zu essen. Die meisten waren außen zwar knallrot und schön, entpuppten sich aber beim zerschneiden als blaß-weiße Substanz. Und obwohl ich im Laden schon jede Packung in Augenschein nahm, war in fast jeder Schale ein schimmliges Exemplar drin.

Die Niederländer haben das vor Jahren auch schon gemacht: Geschmacklose, aber haltbare Hochleistungstomaten (Sorte Roma), mit für den Züchter und Händler idealen Eigenschaften (dicke, stoßunempfindliche Schale, schönes rot, gleichförmiger Wuchs, große Wasserspeicherkapazität für ein hohes Gewicht) unter Quadratkilometern von Plastikplane auf Nährboden mit ganz viel Wasser begießen. Der Kunde hat's gekauft. Anfangs, weil sie schön aussahen, später, weil sie billig waren, noch später, weil's keine anderen mehr zu kaufen gab. Seit einigen Jahren rudern die Flachländler nun kräftig zurück und bieten die "neuen" Sorten wie sauer Bier an. Seit dem gibt's im Supermarkt Fleischtomaten, Rispentomaten, Kirschtomaten, Datteltomaten, Cocktailtomaten, Honigtomaten mit eigener Website, Geschmackstomaten, Ochsenherzen, Kumatos usw. Alle buhlen um die Gunst des Kunden und sollen uns davon überzeugen, daß die Käsköppe auch Geschmack können. Der Kunde hatte es nämlich satt, die dicken langweiligen Wasserbomben zu akzeptieren. Vielleicht, weil er im Ausland gesehen hat, daß es auch anders geht. Schon mal in Frankreich Tomaten gekauft? Die haben nur zwei Sorten im Supermarkt. Eine ist billig und die andere schmeckt. So ähnlich dürfte es in anderen mediterranen Ländern auch sein. Nur bei uns gibt es jetzt eine Schwemme an Sorten. Sie sehen alle anders aus, schmecken aber dennoch kein bißchen nach Tomate. Das einzige, was es (noch) nicht zu kaufen gibt, sind Tomaccos.

Exotische Sorten und Namen wie "Bullenherz" sollen das Besondere vorgaukeln. Trotzdem bleibt es dabei: geschmackloses, blasses Wasser aus den Niederlanden, das kaum von einer Gurke zu unterscheiden ist. Ohne Sonne und Reifung an der Pflanze und nicht im LKW geht es eben nicht.

Jetzt wiederholen die Spanier (und andere) dieses Spielchen mit anderen Früchten wie eben meinen Erdbeeren. Selbst die von mir selektierten und auch innen roten und vermeintlich reifen Früchte schmeckten nur sauer und das durch einen Berg Sprühsahne und Zucker hindurch. Pur wären sie wohl gar nicht eßbar.
Im Gegensatz zu den Niederländern haben die Spanier aber nicht genügend Wasser und greifen illegal auf Tiefbrunnen etc. zurück. Dadurch fördern Sie die Wüstenbildung und Trinkwasserknappheit. Wir schlagen uns also erst den Bauch mit dem von uns importierten Wasser voll und finanzieren gleichzeitig die EU Hilfsmaßnahmen zum Umwelt- und Klimaschutz und in ein paar Jahren die Wasserprojekte und Hilfsmaßnahmen für Bauern, die "freiwillig" auf den schwachsinnigen und jetzt noch mit Agrarfördermitteln angeheizten Anbau verzichten und wieder zurück zu traditionellen und weniger durstigen Pflanzen wechseln.

Erinnern Sie sich an meinen Beitrag zu Brot? Geschichte wiederholt sich. Ich würde gerne mehr Geld für bessere Früchte ausgeben. Aber es gibt keine besseren. Nur teurere. Die sind dann Öko oder vom Bauern aus der Region. Aber von denen gibt's auch Tomaten. Nur schmecken tun die nicht besser, denn es sind die gleichen Industriesorten nur ohne Anti-Ökozusätze.

Dienstag, 8. April 2014

Das Ende ist nah - Die XP Lüge

"Für Nutzer von Windows XP besteht ab heute beim Surfen im Internet ein erhöhtes Sicherheitsrisiko." So leitete die Tagesschau heute ihren Beitrag zum Thema auslaufender Support für XP ein (11:53).

Eine glatte Lüge, Fehlinformation, lückenhafte Berichterstattung und Panikmache.

Erstens, wurde heute das Surfen (und alles andere) noch mal sicherer gemacht. Es gab nämlich ein weiteres (wenn auch ein angeblich) letztes Sicherheitsupdates. Es wurden also Lücken, die bisher offen waren, (hoffentlich) geschlossen. Man könnte auch behaupten, daß Surfen mit Windows 8 wird unsicherer. Immerhin kann es gut sein, daß die heutigen Updates für Windows 8 eine neue Sicherheitslücke aufreißen, die erst irgendwann vielleicht geschlossen wird - alles schon vorgekommen.

Zweitens wird das Surfen nicht unsicherer. Es steigt nur die Wahrscheinlichkeit, daß Lücken in der Sicherheit aktiver ausgenutzt, da nicht mehr behoben werden und es sich so für Angreifer mehr lohnt, Schadsoftware zu entwickeln, anstatt solche für Lücken zu schreiben, die bald geschlossen werden (was in Microsoftschen Maßstäben Jahre sein können). Davon ist das Surfen betroffen, aber vor allem der Emailverkehr und dort der unbedachte fahrlässige Umgang mit Emails, wie er schon seit Jahren unsicher ist.

Zudem endet auch der Support für Office 2003.

Warum also diese Panikmache in den Medien?

Weil Microsoft prima an der Sache verdient: Neue Windows Versionen verkaufen, neue PCs verkaufen, Support Hotlines usw. Die Industrie freut sich also und reibt sich die Hände, handelt es sich doch um ein probates Mittel, stagnierende Umsatzzahlen anzukurbeln. Ich nutze kein Windows XP mehr, obwohl es mir nicht leicht fiel. Office 2003 werde ich aber weiter nutzen. Ein Update ist mir zu teuer und ich will kein Ribbon. Ich nutze Office im Profisegment und beherrsche die Funktionen, so daß ich mich nicht von nervenden Büroklammern etc. belästigen lassen muß. Auch habe ich keine Lust auf das herumgeiere mit den Kacheln: Wenn ich erst alle Fenster schließen oder verkleinern muß, damit ich eine Kachel auf dem Desktop anklicken kann, dann nervt das. Ist aber natürlich genau im Stile der DAUs, die nicht kapieren, daß man ein Fenster verkleinern kann und nicht immer das ganze Programm beenden muß, wenn man gerade mal was anderes machen will.

Also was machen? Panik? Nein. Ganz ruhig bleiben. Da einige Staaten so dämlich sind, Ihre IT nicht aktuell zu halten, sondern lieber mehr Geld in ein Jahr Support bei MS zu investieren, als es kosten würde, selbst ein Betriebssystem zu schreiben oder eine neue Version zu kaufen oder eine Freeware zu nutzen, nur um dann in einem Jahr festzustellen, daß wieder mal nur ein Investitionsstau produziert, das Problem aber durch die Vogel-Strauß-Haltung nicht beseitigt wurde, wird es weiter Updates geben. Finanziert mit Steuergeldern - ein super Coup von MS.

Außerdem verhindern die Updates des Betriebssystems sowieso nur wenige Probleme. Dafür kommen sie oft genug viel zu spät. Es gibt ein paar einfache Maßnahmen, die schon immer galten und immer gültig sein werden:

  1. Halte Deine Programme aktuell wenn es geht. 
  2. Nutze keine Microsoftprogramme zum Surfen (Internet Explorer) und für Emails (Outlook (Express)).
  3. Installiere eine Firewall
  4. Installiere einen Virenscanner
  5. Installiere Anti Spy Erweiterungen in Deinem Browser.
  6. Öffne keine Anhänge in Emails, die Du nicht erwartest. Auch wenn die Email von einem Bekannten kommt. Erst Recht nicht, wenn die Email auf einmal fremdsprachig ist oder keinen Bezug zum Anhang oder der Beziehung zwischen Dir und Deinem Kommunikationspartner enthält. Erst nachfragen, ob das mit Absicht war.
  7. Verschicke selber keine Anhänge in proprietären Formaten wie Excel, Word, Powerpoint und Co. Nutze (offene) Formate wie PDF, XML, RTF, ZIP
  8. Klicke auf keine Links in Emails, nur weil dort steht, Du sollst es tun. Paypal, Deine Bank, Amazon, ebay usw. werden Dich nach einer Anmeldung auf deren Webseiten informieren, wenn Du was zu erledigen hast. Sie werden Dir keine Emails schicken, in denen so was steht. Und wenn doch: löschen. 
  9. Melde Dich stets bei allen Webseiten nur dann an, wenn Du von Dir aus auf deren Webseite gekommen bist (z. B. durch eingeben der URL oder durch Auswahl eines Lesezeichens im Browser) und nicht per Link hingeleitet wurdest. 
  10. Nutze sichere und verschiedene Paßwörter. Wechsel die Paßwörter gelegentlich mal.
  11. Speichere keine Paßwörter oder TAN Listen mit Hilfsprogrammen oder sonst wie auf dem PC.
  12. Disketten (Häh?), CDs, USB Sticks von Fremden haben im eigenen PC nicht zu suchen, wenn kein Virenscanner läuft. Der Datenträger sollte nach dem Einlegen manuell mit dem Virenscanner analysiert werden.
  13. Deaktiviere die Autostartfunktion.
  14. Deaktiviere das Booten von CD, Diskette, Netzwerk oder USB Stick.
  15. Nutze kabelgebundene Netzwerkzugänge und vermeide WLAN und Bluetooth. Schalte WLAN am Router ab. Aktiviere im Router die MAC-Filterung.
  16. Fragwürdige Dateien zusätzlich von Webvirenscannern prüfen lassen.
  17. Mache regelmäßig Backups.
  18. Schalte Dein Hirn ein.
Übrigens: Du weißt bei den meisten Dingen gar nicht wovon die Rede ist oder wie das funktioniert? Und Du glaubst, vor Deiner Unwissenheit kann Dich ein Update schützen? Ehrlich gesagt: Du hast nichts an einem PC verloren. Such' Dir ein neues Hobby oder nimm ein Buch und fange an zu lernen, wie man die Technik beherrscht und nicht von ihr beherrscht wird.

Freitag, 14. März 2014

Warum passen mir meine Klamotten nicht mehr?

Haben Sie sich auch schon mal gefragt, ob Sie immer fetter werden? Alle paar Jahre braucht man scheinbar eine neue, größere Kleidergröße. Anstatt L, ist es nun XL. Oder sind Sie schon so weit, daß die Xe durch Zahlen zusammengefaßt werden? 4XL? Will ich ein T-Shirt, daß meine Nieren wärmt, dann muß es so ein Sack sein, da alle kleineren Größen schon an der Taille aufhören. Problematisch ist nur, daß gleichzeitig die Modeindustrie nur noch gewillt ist, die sportlichen auszustatten, denn mehr als XL ist kaum im regulären Angebot. Nach dem Motto, fette Kunden sollen gar nicht mit unserem Label in Verbindung gebracht werden und so uncooles Volk wollen wir gar nicht als Kunden. Oder wieso muß ich Schuhgröße 40 kaufen, wenn ich doch real nur eine 38 oder 39 habe? Bei Reno wird deshalb sogar extra auf jeden Karton ein Aufkleber gepappt: "Echte Größe ...". Und die ist immer geringer, als die vom Hersteller genannte. Können die chinesischen Kinderarbeiter nicht richtig messen? Ist es cool geworden, wenn man behaupten kann, man habe einen 40er Quadratlatschen? Früher zwängten sich die Frauen doch lieber in zu kleine Schuhe, als zuzugeben, daß Sie 'ne 39 haben.

Aber egal, es geht eigentlich gar nicht um Klamotten, sondern um Waschmittel.
Genau hingesehen? Die gleiche (Kleider-) Größe "XL" ist nun weniger groß: Nur noch 44 anstatt 48 Wäschen sind möglich. Das nennt man dann natürlich nicht "L", sondern "Neue Formel". Die kann aber gar nicht Schuld sein, denn es ist auch weniger Inhalt in der Flasche (3,212 l anstatt 3,504 l). In beiden Fällen ergibt das die gleiche Menge benötigten Waschmittels (73 ml) pro Waschgang. Die neue Flasche ist dafür optisch größer, obwohl weniger drin ist. Der direkte Vergleich zeigt den betrügerischen Trick: Sie ist einfach dünner (weniger bauchig).
Die Mode lebt es vor und Henkel schließt sich dem Trend einfach an. Das ist allerdings nicht "die schlaue Art zu waschen", sondern die schlaue Art, den Kunden zu neppen. Schade, daß ich nicht mehr nachschauen kann, was die "echte" XL Flasche mal gekostet hat und ob die Mogel-XL wenigstens günstiger ist.

Donnerstag, 13. März 2014

Luther oder die E-Mobil Lüge

Es ist schön: Die Industrie will ein total unsinniges Produkt bewerben und Politiker und Journalisten plappern die dummdreisten Märchen eifrig nach. Es geht um Elektroautos.
Die Politik hat beschlossen, daß der Ausstoß an Abgasen reduziert werden soll. Anstatt nun einfach eine Obergrenze pro Fahrzeug festzulegen, hat man sich von der Autolobby breitschlagen lassen und eine Art Ablaßhandel geschaffen: Die Obergrenze wird auf die Gesamtproduktion des Herstellers bezogen. Anders  ausgedrückt: Wenn VW eine Dreckschleuder mit den Abgaswerten eines Panzers baut, dann brauchen sie nur noch zwei Fahrräder mit Null Emission herzustellen und die relevanten Abgaßwerte von VW reduzieren sich um zwei Drittel. Das dies der Umwelt nicht hilft, ist jedem klar. Nur den Politikern und den Autojournalisten nicht.
Autos produzieren Abgase. Die großen Wagen oft gar nicht mal die meisten, denn da ist Platz und vor allem Geld für wirtschaftliche Motoren etc. Es gibt auch viel mehr Golf als Q7 auf den Straßen. Und es gilt ja auch nur der schöngefärbte Abgasausstoß bei Normalverbrauch. Als ob ein Fahrer einer übermotorisierten protzigen Potenzkrücke je den Normalverbrauch erreichen würde. Und der durch Lobbyarbeit der Autoindustrie vorherrschende Verbrauchstest erlaubt sowieso schon so viele Tricksereien, daß die angegebenen Werte seit Jahren bei den meisten Fahrzeugen unrealistisch niedrig sind (Tabelle, PDF). Das fördert nicht nur den Absatz, sondern färbt die Umweltbilanz auch noch schön, denn der Abgasausstoß wird allein auf Basis des vom Hersteller genannten Normverbrauchs berechnet. Der Staat glaubt das einfach blind und prüft es nicht nach. Die Autojournalisten veröffentlichen solche Tatsachen auch nur spärlich (selbst der ADAC mit seinem Mitgliederwerbeblatt nicht, der vermutlich der Automobilindustrie zu Nahe steht, um denen auf die Füße zu treten, auch wenn er selbst die Daten ermitteln läßt) glauben auch lieber dem Hersteller, als selber zu rechnen und verlassen sich inzwischen immer öfter auf die Verbrauchsanzeige im Fahrzeugcockpit - als ob die nicht auch schöngefärbt wäre, allein schon, um den Käufer zu beruhigen und ihm keine Daten zu liefern, die eine Regreßklage gegen den tatsächlichen Verbrauchswert erleichtern.
Tatsächlicher Mehrverbrauch im Vergleich zur Herstellerangabe (Download PDF). Nur zwei Fahrzeuge halten sich genau an die Herstellerangabe, wenige sind sogar besser (rechts im Bild). Erstaunlich viele Fahrzeuge mit Umweltfreundlichkeit suggerierenden "blue" im Namen verbrauchen dafür weit mehr als für ein "Öko"-Auto eigentlich akzeptabel.
Also was machen? Fahrräder als Ausgleich dürften nicht zählen. Bauen wir Elektroautos. Das ist ganz einfach und aus Sicht der Autoindustrie auch sehr praktisch. Es ist nämlich eine absolut unbrauchbare und tote Technik. Das wissen die schon seit mehr als 100 Jahren. Wer will schon die gesamte Nutzlast eines PKW an die Akkus verlieren, oder mehrere Stunden (in der Summe gar Tage) auf der Urlaubsfahrt an der Ladestation verbringen und für all das auch noch viel viel mehr Geld ausgeben? Keiner. Also schafft man sich keine Konkurrenz zu den eben noch beworbenen eigenen neuen Modellen und der Kunde kauft das, was er soll: Ein dem Hersteller bekanntes und beherrschtes Produkt, an dem er verdient.
Elektroautos sind vielleicht gerade mal dort sinnvoll, wo nur extrem kurze Strecken mit genau bekannten Reichweiten oder vielen Start- und Stopvorgängen vorkommen und das Auto nachts geladen werden kann. Das sind lokale Lieferdienste (Post) oder häusliche Krankenpfleger, Drittwagen für den Lebensmitteleinkauf oder Rentner etc. die selten und wenig Mobilität brauchen.
Derzeit kann die Industrie aber prima zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Es kann viel Geld aus öffentlichen Fördermitteln in unnützer Forschung verbrannt werden. Nebenbei fallen auch noch (staatlich geförderte) Erkenntnisse für Verbrennungsmotoren und deren Antriebstechnik ab. Eigene Mittel sind durch die Industrie kaum aufzubringen oder werden einfach steuermindernd abgeschrieben. Der Ablaßhandel blüht: Man produziere völlig unnütze und überteuerte Elektroautos und verkaufe die auf dem Papier an Großabnehmer wie öffentliche Einrichtungen oder Mietwagenfirmen. Diese dürfen sich dann mit den (logistischen) Problemen und technischen Fehlern herumschlagen und die Wagen rosten auf irgendwelchen Abstellplätzen munter vor sich hin, weil keiner sie nutzen kann oder will. Gleichzeitig hat der Automobilkonzern aber Geld (teilweise wieder vom Staat) mit dem Verkauf verdient und kann seine Konzernabgaswerte schönrechnen und das verdummte PS-Volk bejubelt noch das neue Öko-Image.
Woran man auch als Laie erkennt, daß die Industrie kein Interesse an Elektroautos hat? Weil sie wie zu Edisons Zeiten einfach ihre alten Kutschen mit einem Akkupack und einem Elektromotor ausrüstet, anstatt neues zu konstruieren. Dann werden noch ein paar schicke Aufkleber draufgepappt, die irgendwie grün, blau "E" oder "i" suggerieren und schon hat man etwas, worüber jeder Autojournalist geifernd berichtet.
Damals wie Heute. Der Unterschied findet sich nur in Preis und Karosserieform.
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:1900_Flocken_Elektrowagen_Hofgarten.jpg?uselang=de
Das ist aus technischer Sicht natürlich Blödsinn. Ein Auto mit Verbrennungsmotor sieht heute so aus und funktioniert, wie wir es kennen, weil die Kraftquelle an einer (zentralen) Stelle sitzt. Fahrzeughersteller, die seit vielen Jahren Elektromotoren (nicht im Auto) nutzen, haben inzwischen erkannt, daß ein neu konstruiertes Elektrofahrzeug viel effektiver arbeiten kann.
Beispiel für eine veraltete konstruktionsweise, wie sie die Automobilindustrie noch immer vorlebt: zentrale Elektromotoren und Stangenantriebe.
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:PRR_DD1_running_gear.jpg
Anstatt die Kraft in einem Motor zu erzeugen und dann über Achsen, Getriebe, Differential, Kardanwelle usw. zu verteilen, wobei erhebliche Verluste durch Reibung der mechanischen Teile und unnötiges Gewicht entsteht, erzeugt man die Kraft einfach da, wo sie gebraucht wird: Direkt am Rad. Beim Auto an allen vier Rädern. Das nennt sich Radnabenmotor. Dadurch fallen sämtliche Übertragungsverlust weg und es ergeben sich völlig neue Möglichkeiten, weil beim Bremsen die Motoren an jedem Rad bedarfsgerecht als Dynamo mitwirken und Energie "zurückgewinnen" können. Das Auto hätte zudem einen echten Vierradantrieb und es ließe sich eine optimale, situationsabhängige Straßenlage ansteuern, wie sonst nur bei hochentwickelten (und teuren sowie schweren) Allradantrieben möglich ist. Den gewonnen Platz im Motorraum könnte man dann mit Akkus vollpacken.

Warum entwickelt das kein Fahrzeughersteller?

Ganz einfach: kein Interesse. Wissen tun die das alles auch. In der Schublade liegen die Konstruktionen bestimmt längst. Aber wieso damit rausrücken? Noch sponsert die Politik doch andere Forschungsarbeiten und läßt sich einfach mit ein paar Aufklebern am Fahrzeugheck und markigen Werbesprüchen zufriedenstellen. Elektromobilität mit Akkuzellen als Energiespeicher ist schon seit vielen Jahren eine Totgeburt. Aber erst einmal lassen sich prima Gelder abschöpfen. Und seit Jahrzehnten verspricht die Akkuindustrie uns Verbrauchern Akkus ohne Memoryeffekt und ähnlichem. Wer hat je einen Akku gesehen, der auch nur annähernd so lange hielt wie versprochen? Selbst die Lithium-Ionen Akkus machen viel zu früh schlapp, halten die Kapazität nicht mehr und sind dazu noch teuer. Schon mal einen Akku für eine Digicam neu gekauft? Vom Originalhersteller kosten die locker mal 60 Euro. Chinesische Nachbauten nur wenige Euros - halten dafür aber noch weniger lange. Akkus fürs Auto kann man wohl kaum bei ebay kaufen. Also muß man die zu erwartenden Wucherpreise der Automobilhersteller zahlen. Erst wenn das Ende der Sackgasse auch dem letzten Idioten klar geworden ist, wird man sich daran erinnern, daß es schon lange eine brauchbare Alternative gibt: Wasserstoff. Das Zeug kann man auch mit den hierzulande in die Landschaft gepflasterten Windkrafträdern und Solarparks erzeugen und vor allem dauerhaft speichern und verlustfrei transportieren. Ein Tankvorgang dauert nicht mehrere Stunden, sondern so wie bei Benzin auch, nur wenige Minuten. Es ist sicher, unendlich vorhanden und umweltfreundlich, da abgasfrei. Erfolgreich erprobt ist es zudem auch schon bei vielen (teilweise exotischen) Fahrzeugen. Ein klein wenig mehr Forschung in diesem Gebiet würde sicher enorme Fortschritte bringen und wie sich dabei bereits zeigte ist es auch hier wieder wichtig, sich von den historischen Kutschenkonstruktion zu verabschieden und neue Fahrzeuge zu konstruieren, anstatt einfach am alten weiterzufrickeln.

Aber erst einmal sahnt die Industrie schön die Fördergelder für Elektroautos ab, um dann in ein paar Jahren still und heimlich umzuschwenken (wenn in allen Städten teure E-Tankstellen an Parkplätzen installiert wurden, für die wieder ein, den Autoherstellern naher Geschäftspartner, ebenfalls viel Geld kassiert hat und Parken für normale Fahrzeuge immer mehr verboten wurde). Dann kann man wieder neue Fördergelder einstreichen, sich als innovativ feiern lassen und trotzdem weiter die alten Verbrennungsmototren verkaufen, deren Entwicklung sich über die Jahre immer mehr amortisiert hat und an deren Fortbestehen die Ölindustrie ein ganz erhebliches mafiöses Interesse hat.

Es wird Zeit, daß mal wieder jemand ein Blatt Papier an eine Kirchentür nagelt!

Sonntag, 2. März 2014

Ab in den Urlaub?

Im Sommer soll's eine Pauschalreise sein. Nichts außergewöhnliches: Ein Erwachsener, ein Kind, zwei Wochen, Sonne.
Schon mal versucht, bei einem der viel beworbenen Reiseportale so was zu finden? Ein Alptraum. Wie kann es nur sein, daß die so viel Werbung für sich machen und dann auch noch gut abschneiden? Alle sind sie grauenhaft schlecht und völlig unbefriedigend. Das Last-Minute und Frühbucherrabatt nur eine Werbeidee der Reiseindustrie sind und dem Urlauber kaum echten Gewinn bringen, ist wohl inzwischen bekannt.
  • Die Eingabe des Reisezeitraums ist mühsam: Nur einige blenden auf Wunsch die Schulferientermine ein, manchmal falsch. Der genannte Zeitraum wird dann auch nur teilweise oder gar nicht eingehalten. Als ob ich im September weg wollen täte, wenn ich Juli vorgebe.
  • Wieso kann ich Berlin-Brandenburg (BBI/BER) als Abflughafen wählen? In den letzten Jahren und auch in den nächsten zwei bis drei findet von dort kein einziger Flug statt. Das sollte sich doch langsam herumgesprochen haben
Quelle: http://www.lastminute.de
  • Andauernd gehen Werbefenster für Partnerseiten auf: www.ab-in-den-urlaub.de, www.travel24.com, www.reisen.de. Für die Hotelinfos etc. aber nicht, so daß man immer wieder seitenweise zurückklicken muß.
  • Sucht man nach alternativen Reisezielen oder Optionen, hat das Portal auf einmal alle Angaben vergessen und man muß von vorne anfangen. Noch nie was von Sessions und Cookies gehört?
  • Die Partnerseiten sehen alle irgendwie verdächtig gleich aus - vor allem bei der Präsentation der Suchergebnisse. Was soll die Farce?
Ok, fahren wir nach Bulgarien.
Nehmen wir das billige Hotel Orbita.
Quelle: http://www.ab-in-den-urlaub.de Quelle: http://pauschalreisen.travelscout24.de
Und obwohl ja alle Webportale damit vollmundig werben, die besten zu sein, für uns das günstigste Angebot finden und überhaupt die tollsten sind, unterscheiden sich die Treffer doch erheblich vor allem bei den Reiseunternehmern:
Quelle: http://pauschalreisen.travelscout24.de Quelle: http://www.ab-in-den-urlaub.de
Komischerweise werden aus der Schar von Reiseanbietern die man so kennt gar keine aufgelistet. TUI, Neckerman, 1-2-Fly und Co fahren auf einmal nicht zum Ballermann II?
Ok, schauen wir trotzdem mal, was es denn so an Terminen gibt:
Quelle http://www.reisen.de
Wow, was für eine Zeitverschwendung. Und das immer wieder bei den verschiedensten Portalen, Hotels und Destinationen. Nicht selten verändert sich sogar der Preis (natürlich meist nach oben), sobald man sich für einen Termin näher interessiert.
Wieso werden mir dann die ganzen Angebote vorher angezeigt? Kann man die nicht gleich ausfiltern oder sind es nur Lockangebote? Oder soll ich glauben, daß zwischen der Auflistung der Hotels und meinem Klick auf die Terminprüfung so viele Reservierungen eingegangen sind? Will man mich da eventuell unter Druck setzen, schnell und unüberlegt irgendwas zu buchen, aus Torschlußpanik, bevor ich gar nichts mehr bekomme?
Aber ich bleibe ruhig und schau nach stundenlanger Suche und nervendem herumgeklicke in den Webfenstern noch bei einem der großen Namen nach. Und dort finde ich gleich ein passendes Angebot.
Quelle: http://www.tui.com
Verglichen mit "aktuelle Angebote und echte Hammerpreise" bei ab-in-den-urlaub.de, ein echtes und verfügbares Schnäppchen.
Quelle: http://www.ab-in-den-urlaub.de
ab-in-den-urlaub.de ist 170 Euro teurer für einen Tag weniger Urlaub. Ein echter Hammer. Vielleicht zahlt der Reiseanbieter "Discount Travel" (immerhin eine TUI Tochter) einfach zu wenig Provision an das Webportal?
Immerhin findet der "Testsieger" auch das günstige Angebot und besticht auch sonst am ehesten durch sinnvolle Funktionen und Benutzerkomfort, wenn er auch bei der Eingabe der Reisedaten Schwächen hat.
Quelle: http://urlaub.lastminute.de

Donnerstag, 30. Januar 2014

GRATIS mit Sternchen

Der Beschiß lauert einfach überall. Jetzt ist es der Knäckebrothersteller Wasa.
Quelle: Verpackung Wasa Vollkorn
Gratis: Frühstücksbrettchen. Nur zwei Packungen kaufen, Gutscheine einsenden, Gutscheincode bekommen, Brettchen gestalten und Brettchen bekommen.
Ja, so schön liest es sich. Trotzdem klingeln die Alarmglocken. Gratis? Doch sicher nicht. Trotzdem kaufe ich zwei Packungen (hätte ich aber sowieso gemacht). Auf den ersten und zweiten Blick fällt mir kein Haken auf. Zu Hause in Ruhe dann doch: reduzierte Versandkosten von 4,99 pro Brett.
Da haben wir's doch. Wäre  auch irgendwie verwunderlich, wenn man als Verbraucher nicht gelinkt werden soll. Angeblich sollen die Bretter ja fast 20 Euro kosten. So überteuert werden Sie beim Werbepartner auch tatsächlich angeboten. Bei ebay gibt's die für 10,50 (+2,50). Bei Wadoo für 13,95 (+4,90) und bei Lübeckgeschenke aus MDF für 9,90 (+1,90). Und selbst im Fotoshop kostet das Brett eigentlich auch nur 9,99. Wie so viele Onlineshop wirbt auch dieser Anbieter aggressiv mit Gutscheincodes, die man nach wenigen Sekunden Websuche findet. Mit "postkarte2014" spart man 10 Euro.
http://www.posterxxl.de/
Und dann kann ich mir das Motiv frei gestalten. Bei Wasa kann man hingegen nur seinen Namen oder einen anderen Text eingeben und darf sich dann über ein Schneidebrett in Knäckeoptik mit Werbeaufdruck erfreuen.
http://www.posterxxl.de/wasa#
4,99 bzw. gar 5,99 Euro für den Versand ist nebenbei bemerkt auch recht happig. Eine Warensendung kostet gerade mal 1,65 Porto und etwas für die Verpackung. Dies ist dann nicht versichert, aber eventuelle Verluste (die der Versender tragen muß) lassen sich Querfinanzieren. Bei Hermes kostet ein vollwertiges Paket lediglich etwa 3,50 - für Großkunden sicher noch weniger. 
Die beiden Partner werden bei der Aktion vielleicht keinen Gewinn machen. Aber die Verluste werden sich in Grenzen halten und immerhin bekommen sie so wertvolle Adreßdaten und einen prominenten Werbeplatz auf dem Frühstückstisch.

Wie wichtig den Unternehmen allein schon die Adreßdaten der Kunden sind, zeigt auch Nescafé: Beim Instant Plastikkaffee gewinnt jeder
Quelle: Verpackung Nescafé 3in2 StiX
Um aber festzustellen, was gewonnen wurde, wird man gezwungen, zuerst all seine persönlichen Daten anzugeben, bevor man den Gewinncode prüfen kann. Ich gebe da natürlich nur wilde Zeichenfolgen ein und stelle dann - wie erwartet - fest, daß ich wieder nur einen dieser Pseudo-Scheingewinne gekauft habe: Ein Rabatt für eine kostenpflichtige Aktion oder die Videoausleihe. Den Gutschein bekomme ich an meine für Spammer reservierte email-Adresse geschickt. Also wozu die Datenerhebung, wenn die Daten nicht verkauft oder mißbraucht werden sollen?

Sonntag, 26. Januar 2014

T(ime)-Machine

Im Fernsehen läuft derzeit eine total emotional-harmonisch-entspannte Wohlfühlwerbung für Kapselteemaschinen von Nestlé. Kapselkaffeemaschinen sind ja schon so ein Ding für sich: viel Müll, wenig Geschmack, aber immerhin weniger Zubereitungsaufwand. Aber Tee? Da gibt's doch nun gar keinen Aufwand seit der Erfindung des T-Beutels. OK, trinken kann man die Brühe dann nicht; der echte T-trinker wird wohl immer selbst aufbrühen. Aber wer Kapsel-T trinkt, wird mit "hochwertigem" Beutel-T wohl auch gut bedient sein. Aber lassen wir das, ärgern tut etwas anderes: Die Marketingfuzzis haben sich einen schicken Namen ausgedacht: Special.T (mit Punkt). Das ist die Spezialeinheit, die gleich nach dem Einsatz des A-Teams kommt, wenn Hannibal und Co. sich nach dem Gemetzel entspannen wollen. Nicht zu verwechseln mit den Special Forces - der Special-E.
Ist ja so cool, diese Lautmalerei mit dem Tee (und funktioniert auch auf Französisch und damit in allen Verkaufsregionen).

Nachdem sie den schicken Namen hatten, brauchten sie auch noch die Webseite zum Produkt. Das Zeug ist nämlich nur übers Internet erhältlich.

Und da wird es dann peinlich. In einigen der Verkaufsländern ist die Domain special-t.?? bereits vergeben. So in der Schweiz und in Deutschland. Also was macht man: Man versucht potentielle deutsche Kunden dazu zu bringen, eine Webseite aus dem Bereich der gTLD ".com" aufzurufen: http://www.special-t.com. Und das in Zeiten, in denen kaum noch ein Internetnutzer die eigentlich essentielle Angabe "http://www" schreibt und oft eben auch nicht einmal mehr die TLD am Ende. Je nach Browser und Einstellung versucht der Browser dann die fehlenden Angaben zu erraten. Ein Browser in Deutschland hängt vielleicht ".de" hinten dran (oder ruft eine Suchmaschine auf). Mit special-t.de landet man aber im Nirwana und nicht bei der Société des Produits Nestlé S.A. und ihrer tollen T-Machine. Abgesehen von dieser unnötigen Verwirrung der Kunden, frage ich mich noch, wieviele Deutsche bei "special-t-kom" wirklich an eine Teemaschine denken und nicht eher an ein spezielles Lockangebot der rosa T-kom. Interessant wäre eine Marktanalyse zur Frage, welches Image wohl besser ist: Telekom oder Nestlé und wer von der vorprogrammierten Verwechselung mehr profitiert.

Freitag, 17. Januar 2014

Friß und stirb

Hinweistexte auf Verpackungen und in der Werbung sind uns allen hinlänglich bekannt. Oft sind die Fußnoten länger als die Werbebotschaft.
Zu den riesigen Nebenwirkungen schlagen Sie Ihren Arzt oder Apotheker und fressen Sie die Packungsbeilage.
"Serviervorschlag" auf der Packung ist auch so was: Als ob irgendwer denken würde, in der TK Packung wäre die ganze Berglandschaft inkl. Hütte, attraktiver Sennerin, glücklicher Tiere und dann auch noch der Fisch (der wohl kaum aus den Bergen kommt, sondern eher von einem Fabrik-Fischtrawler).

Ein Bildband nimmt nun auch die Produktabbildungen unter die Lupe: Sieht das servierfertige Produkt so aus, wie auf der Packung? Man kennt die Antwort: natürlich nicht. Aber es ist witzig, dies noch mal im direkten Vergleich zu sehen, wobei man den Bildband vielleicht nicht wirklich braucht, die online gestellten Bilder sind schon ausreichend.